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Gott, gib mir Zeit!
Die Unternehmerin Undine Paul hat eine plötzliche Heilung von Krebs erlebt
Von Susanne Hohmeyer-Lichtblau
Undine Paul hat es geschafft. Sie ist eine erfolgreiche Unternehmerin, lebt in Portugal und hat finanziell ausgesorgt. Doch die gestandene Geschäftsfrau – das ist nur eine Seite von Undine Paul. Ihr Leben lang hatte sie das Gefühl, dass es noch mehr geben muss als das, was man sehen und anfassen kann.
Undine Paul ist ein stilles, introvertiertes Kind. Sie wächst in einer atheistischen Familie auf, in der Streit an der Tagesordnung ist. Die Geborgenheit, die ihr fehlt, sucht sie in der katholischen Kirche. Tatsächlich spürt sie Frieden, wenn sie in der Stille der majestätischen Kirche sitzt. Doch schon bald merkt sie, dass sie mit den starren Hierarchien und Strukturen nicht zurechtkommt. Enttäuscht wendet sie sich wieder ab. Von nun an beginnt eine jahrzehntelange Suche nach einer höheren Macht, nach dem Sinn des Lebens, nach etwas, das ihr Ruhe und Frieden gibt. „Ich wusste immer, dass es etwas Großes gibt, aber ich wusste nicht, was es ist oder wo ich es finden kann“, erinnert sie sich.
Esoterische Ausflüge
Undine Paul macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet in einem anthroposophischen Krankenhaus. Sie fühlt sich wohl, glaubt in der Lehre Rudolf Steiners gute geistliche Ansätze zu entdecken. „Ich habe sehr viele gute Gedanken darin gefunden, aber wie bei allen meinen anderen esoterischen Ausflügen hatte ich irgendwann das Gefühl: Es fehlt noch was“, beschreibt Undine Paul ihre Erfahrungen. „Ich habe damals nach dem Motto gelebt, man kann alles ausprobieren. Ich hab ein bisschen Buddhismus gemacht, ein bisschen Pendeln, Kartenlegen – aber ich habe gespürt: Es ist nichts Tiefes. Es ist was Populäres, aber nichts Tiefes.“ Als sie Mitte 20 ist, erkrankt Undine Paul schwer. Ein Schilddrüsentumor bringt sie in Lebensgefahr. Von nun an werden ihre Lebensfragen noch größer. Was macht wirklich Sinn? Worauf kann ich mich verlassen? Undine Paul trifft eine Entscheidung: „Ab jetzt werde ich mich nicht mehr zurücknehmen, ich werde reden und meine Meinung vertreten.“ Sie steckt sich ein neues, hohes Ziel: „Wenn ich das hier überstehe, dann will ich mit spätestens 45 im Süden leben!“
Ab in den Süden
Undine Paul verfolgt dieses Ziel mit aller Konsequenz. 1999 gründet sie ihr erstes Geschäft: einen Bio-Supermarkt in Berlin. Eine Filiale nach der anderen kommt hinzu. Schon mit Anfang 40 ist sie am Ziel ihrer Träume. Sie verkauft ihr Unternehmen, zieht nach Portugal und genießt das Leben. Alles könnte perfekt sein, und doch bleibt in ihr eine Unzufriedenheit und eine unbestimmte Sehnsucht, denn auch die finanzielle Sicherheit gibt ihr nicht den Frieden, den sie sich wünscht. In dieser Situation bekommt Undine Paul bei einer Routineuntersuchung eine erschütternde Diagnose: Magenkrebs.
Sie fällt aus allen Wolken. Damit hatte sie nicht gerechnet. „Da war sehr viel Angst. Ich hatte überhaupt keinen Boden mehr unter den Füßen und dachte nur: Warum passiert das jetzt? Von meinem esoterischen Weltbild her dachte ich, Krankheiten hätten den Sinn, dass wir etwas lernen oder verstehen sollen. Aber diesen Magenkrebs habe ich nicht verstanden und das hat mich fast verrückt gemacht“, berichtet Undine Paul. Sie muss sofort nach Deutschland in die Klinik, eine Magenspiegelung bringt die Bestätigung. Die Ärzte wollen ihren kompletten Magen entfernen. Das ist zwar nicht lebensbedrohlich, aber doch mit massiven Einschränkungen verbunden.
Bibelzitate per SMS
Mehr denn je sehnt sich Undine Paul nach göttlichen Antworten. Sie erinnert sich an Gespräche mit Freunden in Deutschland, die Christen sind. Immer wieder haben sie ihr von Jesus erzählt, aber Undine Paul konnte zu diesem Weg einfach kein „Ja“ finden. Zu viele Fragen quälen sie, zu viel Krieg, Blut und Leid sieht sie im Alten Testament, als dass sie diesem Gott hätte vertrauen können. Nun sitzt sie in der Klinik und denkt über ihr Leben nach. Eine Freundin schickt ihr in dieser Zeit permanent SMS mit Bibelzitaten in die Klinik. Undine Paul ist genervt. Aber trotzdem bringen die Texte sie ins Schwanken. Auch wenn sie vieles nicht versteht, wendet sich Undine Paul am Tag vor der Operation zum ersten Mal bewusst an Jesus Christus. „Irgendwie habe ich gewusst, dass in Jesus Antworten auf meine Fragen sind. Das wusste ich aus den Gesprächen mit meinen Freunden, die mir immer gesagt haben: Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich noch sehr viel Zeit brauche. Ich konnte und wollte mich nicht für einen Gott entscheiden, den ich gar nicht kenne. Aber nach dieser Diagnose wusste ich nicht, ob ich diese Zeit noch habe, um ihn zu finden. Ich wusste eigentlich gar nichts mehr. Und dann habe ich gebetet: Jesus, wenn es dich gibt, dann lass mir die Zeit, dich kennen zu lernen.“
Zeit geschenkt von Gott
Ein kurzes Gebet mit ungeahnten Folgen. Am nächsten Tag soll die Operation stattfinden. Doch die Ärzte können es nicht fassen: Der Krebs ist verschwunden. Undine Paul muss einen wahren Untersuchungsmarathon über sich ergehen lassen. „Ich wurde in dieser Zeit Expertin in Sachen Magenspiegelungen. Die Ärzte haben es nicht geglaubt. Es gibt Fotos, es gibt Beweise, dass es diesen Krebs wirklich gab. Aber er war weg. Die Ärzte haben gesucht und gesucht, aber sie haben ihn nicht mehr wiedergefunden“, erzählt Undine Paul und kann das Lachen kaum unterdrücken. Undine Paul kann es damals selbst kaum glauben. Sie hatte nicht um Heilung gebeten und Gott nicht versprochen, sich für ihn zu entscheiden. Sie hatte ihn nur um Zeit gebeten – und sie bekommen. Die geschenkte Zeit nutzt sie und macht sich intensiv auf die Suche. Sie will wissen, wer Gott ist. Nächtelang diskutiert sie mit Christen, löchert sie mit Fragen, so dass sie kaum zum Luftholen kommen. Ihre Freundin Meike Röschlau erinnert sich: „Ich habe bisher noch keinen Menschen erlebt, der in kürzester Zeit so viele Fragen stellen kann und der sich so ernsthaft auf die Suche gemacht hat. Undine ist mal ein Wochenende zu Besuch gekommen und wir haben vom Flughafen an bis zu dem Moment, in dem sie wieder weggefahren ist, durchdiskutiert.“
Tag der Entscheidung
Ein halbes Jahr lang dauert Undine Pauls Ringen mit Gott. Dann spürt sie, dass die Suche vorbei ist und sie sich entscheiden muss. „Meine Freunde waren bei mir in Portugal zu Besuch und wir haben wieder viele Stunden geredet über Gott und die Bibel und Jesus. Und am nächsten Tag beim Frühstück habe ich gemerkt, dass ich keine Fragen mehr habe, zumindest keine, die sofort beantwortet werden mussten.“ An diesem sonnigen Morgen um 10 Uhr sitzt Undine Paul auf dem Sofa in ihrer Wohnung in Portugal und entscheidet sich bewusst, ihr Leben Jesus Christus anzuvertrauen. Schon am folgenden Tag erlebt sie das nächste Wunder: Sie findet einen Zugang zur Bibel. „Ich habe vorher von der Bibel kein Wort verstanden, definitiv kein Wort. Und am Tag nach meiner Entscheidung für Jesus habe ich alles verstanden. Ich konnte im Alten Testament lesen und konnte hinter allem, was dort beschrieben wird, einen liebenden Gott sehen. Ich habe das als großen Segen und Geschenk empfunden, dass Jesus mir die Augen und das Herz aufgemacht hat, damit ich sein Wort verstehe“, erinnert sich Undine Paul.
Entrümpelung für Jesus
Noch am selben Tag beginnt sie, ihre Bibliothek zu durchforsten und auszumisten. Kistenweise packt sie esoterische Engelbücher, New Age-Literatur und Bücher über fernöstliche Religionen zusammen und fährt sie zum Altpapiercontainer. „Ich hatte das Gefühl, das passt nicht mehr zu mir, das muss ganz schnell raus, ich wollte es nicht mehr in meiner Wohnung haben. Und weil ich schon immer ein konsequenter Mensch war, habe ich das ganze Zeug rausgeschmissen“, erzählt Undine Paul. Seitdem haben die Veränderungen in ihrem Leben nicht aufgehört. „Jeden Tag ändert sich was und das ist echt beeindruckend“, erzählt sie. „Ich spüre, dass nicht ich diese Veränderung in meinem Denken und Handeln und Fühlen bewirke, sondern dass Jesus das macht. Ich spüre diesen Unterschied, ich spür die Kraft von ihm. Ich merke auch, dass ich ruhig bin und dass ich nicht mehr losrennen und alles selber machen muss. Früher habe ich immer gedacht, ich muss alles managen, typisch Unternehmerin eben. Aber seit ich zu Jesus gehöre, klappen meine Sachen, die ich selbst organisieren will, gar nicht mehr. Erst wenn ich es Jesus gebe, dann funktioniert es richtig gut.“ Auch Jürgen Weckel, der Undine Paul seit vielen Jahren kennt, ist von dieser Veränderung beeindruckt: „Ich habe Undine im Rahmen von Managementseminaren als taffe Frau erlebt, die sich ganz klar dem Lebensmotto verschrieben hat: Was ich anpacke und was ich will, das schaffe ich auch. Aber immer verbunden mit einem großen Leistungsdruck, der auf ihr lastete. Und heute erlebe ich sie als eine Frau, die auch einfach mal nur da sein kann, ohne etwas zu tun oder zu leisten.“
Am Ziel angekommen
Undine Paul hat drei Jahrzehnte lang nach Ruhe und Frieden gesucht. Jetzt ist sie am Ziel dieser Suche angekommen. Ein Unterschied zu ihren esoterischen Experimenten ist die wohlüberlegte Konsequenz ihrer Entscheidung für Christus: „Früher wusste ich: Ich kann mir jederzeit wieder was anderes suchen. Aber von Jesus kann und will ich nicht mehr weg. Ich bin heute sehr zufrieden und ich fühle mich sehr geborgen. Ich hab diese Ruhe gefunden, die ich immer gesucht habe, und echte Freiheit. Wir suchen immer überall nach Freiheit, in allen möglichen esoterischen Praktiken, aber echte Freiheit kann man nur bei Jesus finden. Das habe ich sehr schnell gespürt und auch eine ganz große Annahme und Liebe. Und das ist sehr schön. Kein Mensch, keine Götter und keine Esoterik können mir das geben.“
Susanne Hohmeyer-Lichtblau ist TV-Redakteurin beim Evangeliums-Rundfunk (ERF) in Wetzlar.
Ausgabe: Mai 2008
