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(c) Micha Korb

Sehnsucht Heimat

Die Sehnsucht nach Geborgenheit und einem Zuhause ist tief in uns verwurzelt. Gleichzeitig sind wir herausgefordert Schritt zu halten, mobil zu sein – die Welt rast, die Menschen werden immer rastloser. Wo und wie erleben wir heute noch Heimat? Eine Spurensuche

Von Stefan Rüth


„Düsseldorf – für immer und ewig.“ Eine Postkarte. Freunde hatten sie mir vor ein paar Monaten geschickt. Einfach so. Auf der Rückseite ein netter Gruß und die Einladung, bald mal wieder einen Kaffee trinken zu gehen. Das haben wir dann auch getan. Selbstverständlich in eben jener Stadt. Eigentlich hätte ich die Karte damit beiseitelegen können. Doch ich spannte sie ein in einen Halter und stellte sie auf meinen Schreibtisch. Als ein persönliches Bekenntnis. Nicht aus Stolz, weil Düsseldorf im internationalen Städtevergleich die höchste Lebensqualität in Deutschland zu bieten hat. Vielmehr weil sie die Stadt ist, in der ich aufgewachsen bin, in der ich mich zu Hause fühle, mit der ich viele gute Erinnerungen verbinde und in der ich gemeinsam mit meiner Familie leben darf. Diese Stadt am Rhein ist mir lieb und teuer. Ich fühle mich hier geborgen. Sie ist meine „Heimat“. Klingt ein bisschen altmodisch, oder? So gewöhnlich. Irgendwie spießig. Und geben Sie es ruhig zu: Schwingt bei Ihnen, wenn Sie den Begriff „Heimat“ hören, nicht auch die Vorstellung an ein hinterwäldlerisches Leben unter einer Käseglocke mit? Wo man die idyllische Landschaft genießt, den Gartenzwerg im Vorgarten zur Schau stellt oder es schick findet, im schwarz-rot-gold beflaggten Schrebergarten Grillpartys zu feiern? Bei mir ist das jedenfalls so. Allerdings stelle ich genauso fest, dass mir die Vorstellung einer kleinen, heilen und überschaubaren Welt, seien es nun weitläufige Wiesen oder moderne Architektur am Rhein, durchaus gefällt. Irgendwie schlägt in meiner Brust eine Verbundenheit und Liebe zur Heimat, die für mich nicht kitschig klingt.

 

Heimatliebe ist in
Heimat ist ein Thema, dem man wieder offen und positiv begegnet. In Nordrhein Westfalen beispielsweise bewegt Heimat ebenso junge wie ältere Menschen, sagen Meinungsforscher des Emnid-Instituts. Nur noch eine Minderheit verbinde mit dem Begriff etwas Altmodisches. Zudem stufen 88 Prozent der gesamten Bundesbürger ihn als wichtig oder sehr wichtig ein, stellt die Hamburger Sozialbehörde fest. Auch am Kiosk erlebt die Heimat eine Renaissance. Seit mittlerweile sechs Jahren widmet sich das Magazin „Landlust“ eingängigen Themen rund um Garten, Küche, Landleben und Natur. Mit dieser rustikalen Ausrichtung erlebte das Blatt einen unvergleichlichen Höhenflug, der bis heute anhält. Es gehört zu den 20 auflagenstärksten Zeitschriften in Deutschland und ist erfolgreicher als beispielsweise „Brigitte“, „Focus“, „Bunte“ oder „Gala“. Wer hätte das gedacht?

 

Ein Raum des Vertrauens
Wofür aber steht diese neue Sehnsucht nach Heimat? Was bedeutet sie Menschen? Und was versteht jeder Einzelne darunter? Fragt man einmal nach, was heutzutage als Heimat erlebt wird, fallen die Antworten so unterschiedlich aus wie in unserer Umfrage: Arzthelferin Melina Schwenck beispielsweise findet sie auf dem Sofa, Samuel Breuer liebt es, an bekannten Orten seiner Heimatstadt Hilden vorbeizuradeln und Abteilungsleiter Hans-Günter Rees entspannt am liebsten in einem Sessel in seinem Garten. Der Begriff Heimat scheint einen Bedeutungswandel zu erleben. Früher verstand man hauptsächlich den Ort der Herkunft mitsamt den Menschen, die dort wohnten, als Heimat: Verwandte, Nachbarn, Freunde, Bekannte. Man lebte klein, lokal, privat in einem Umfeld, das einem wie selbstverständlich Wurzeln mit auf den Weg gab. „Das Vertraute des Ortes, die Verhaltensweisen seiner Bewohner, die vertraute Sprache, die vertrauten Rituale der Dorfgemeinschaft, aber auch der Kirche, die vertrauten Feste, all das hat das Vertrauen ins Leben gestärkt“, schreibt der Benediktinerpater Anselm Grün in seinem Buch „Wo ich zu Hause bin“. Heimat im Sinne der Herkunft sei der Raum des Vertrauens, in dem wir zu dem geworden sind, die wir heute sind. Natürlich gehören zur Heimat auch all die anderen Erinnerungen: Jene bunte Mischung aus Gerüchen, Geräuschen, und Geschmäckern, die sich unterbewusst ins Gedächtnis gebrannt hat: der Duft von Mutters Obstkuchen, das immergleiche Knarzen der Holztreppe zuhause, Opas abgewetzter Lieblingssessel.  Doch nicht jeder hegt nostalgische Erinnerungen an ein glückliches Zuhause. Es gibt dunkle Erfahrungen, die einem erst gar nicht das Gefühl gegeben haben, überhaupt im elterlichen Zuhause oder gar auf dieser Welt willkommen zu sein. Andere tragen bis heute das Erlebnis in sich, wie sie ihre Heimat urplötzlich verlassen mussten und das Grauen überlebt haben. In ihrem Gedächtnis hüten sie die Fragmente ihres Heimatidylls aus glücklichen Tagen wie einen Schatz. Das war in Kriegstagen so und wird bei den Überlebenden der Erdbebenkatastrophe in Japan wie auch den Flüchtlingen aus den radioaktiv verstrahlten Gebieten rund um Fukushima kaum anders sein.

Heimat will erschaffen werden
Heutzutage bindet sich der Begriff Heimat allerdings nicht mehr so stark an die Herkunft. „In eine Heimat wird man heute nicht mehr hineingeboren, man muss sie sich vielmehr selbst erschaffen“, sagt Beate Mitzscherlich von der Westsächsichen Hochschule in Zwickau. Die Professorin forscht über die psychologische Bedeutung von Heimat und kommt zu dem Schluss, dass Heimat, wie sie früher einmal verortet war, kein dauerhafter Besitzzustand mehr ist. Angesichts einer globalisierten Welt sei sie etwas, „das man aktiv herstellen, pflegen, immer wieder neu erfinden, das heißt mit persönlichen Bedeutungen, Geschichten und Emotionen, besetzen muss“. Ein Prozess der Beheimatung werde dann in Gang gesetzt. Dass dahinter ein „Grundbedürfnis des Menschen nach Geborgenheit und Aufgehobensein“ steckt, stellte das Kölner Rheingold-Institut in einer Interviewumfrage fest. Menschen mit der Sehnsucht nach Heimat seien immer getrieben von dem Wunsch, den glücklichen Zustand von Urgeborgenheit wiederherzustellen. Ein Thema, das in den letzten zehn Jahren eine große Relevanz bekommen habe, so die Psychologen. Auch die Bibel beschreibt dieses Neuschaffen von Heimat, Sicherheit, Stabilität und Nestwärme. Sie benutzt dafür das Bild eines Vogels: „Wie ein Vogel, der fortfliegt von seinem Nest, so ist ein Mensch, der seine Heimat verlässt“ (Psalm 27,8). Zunehmende Ansprüche im Zeitalter der Globalisierung fordern uns immer wieder auf, unsere „Nester“ zu verlassen. Sie lassen uns oft zu „Nomaden der Lüfte“ werden – doch kein Vogel schafft es, die ganze Zeit nur in der Luft zu bleiben. Irgendwann ist es für ihn an der Zeit, wieder zu landen und ein neues Nest zu bauen. Er braucht einen Platz, um neue Energie zu tanken. Eine feste Stelle, die ihm Halt bietet. Einen Ort, wo er Nestwärme findet.

Wurzeln im globalen Zeitalter
Für Alexander und Stephanie Kocherscheidt war es wichtig, für ihre Familie in Mettmann ein solches Nest zu schaffen. Nach etlichen beruflich bedingten Umzügen entschieden sie sich als junge Familie ganz bewusst, in der Stadt ihrer Kindheit ein Haus zu kaufen. Kurze Zeit später erfährt Alexander, der als Finanzgeschäftsführer für das Tochterunternehmen eines großen deutschen Konzerns tätig ist, allerdings, dass er erneut wechseln soll. Nach London, für voraussichtlich drei Jahre, mitsamt Familie. Trotz dieser neuen Herausforderung war für die fünfköpfige Familie direkt klar, dass sie das frischrenovierte Haus, ihr emotionales „Basislager“, nicht aufgeben würden. Sie möchten zwischendurch für Besuche und auch nach der Zeit in England dorthin zurückkehren. Die Stellung hält nun übergangsweise Alexanders Schwester. Trotzdem fragen sich die Kocherscheidts: „Wie werden unsere drei Kinder Heimat einmal verstehen? Emma (5) wurde in Frankfurt geboren, Hannah (3) in Mettmann, und Henry wurde wenige Wochen nach der Geburt gleich nach England mitexportiert. „Sie wachsen alle woanders auf und werden nicht mehr wie meine Frau und ich eine Erinnerung an eine Heimat im Sinne der Herkunft haben“, sagt der 37-jährige Familienvater. „Das wird mal sehr interessant sein.“

Unsichere Zeiten
Bereits 2002 betonte der damalige Bundespräsident Johannes Rau, wie wichtig es sei, den Einfluss der Globalisierung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Der bekennende Christ sagte in seiner Berliner Rede, die Globalisierung sei eine Chance, „wenn wir wissen, wo wir zu Hause und wo wir verwurzelt sind“. Knapp ein Jahrzehnt später stellt die „Süddeutsche“ fest, dass diese Wurzeln nicht stark genug waren. „Globalisierung und Finanzkrise haben die Menschen in ihrem bisherigen Streben nach Ferne und Weite, in ihrer Sehnsucht nach fremden Ländern und Kulturen so stark verunsichert, dass sie ihr Heil wieder in der Welt der Traditionen suchen, wie Volksmusik, Luis Trenker und eigene Kinder sie verkörpern.“ Die ausgeprägte Heimatsehnsucht unserer Tage ist demnach nicht ein vorübergehend rustikal oder kitschig angehauchter Trend, sondern beherbergt den Wunsch der Rückkehr zu einer realen Erfahrung von Werten, Stabilität und Sicherheit. Wen wundert es da, dass die Popgruppe Silbermond mit ihrem Lied „Irgendwas bleibt“ vor zwei Jahren, mitten in der Finanzkrise, einen Riesenhit landete, lautet es doch im Refrain: „Diese Welt ist schnell und hat verlernt beständig zu sein. Doch bitte schwör, dass wenn ich wiederkomme, alles noch beim Alten ist. Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint. […] Gib mir was, irgendwas, das bleibt.“

Heimat ist kein Ort mehr
Sich in einer globalisierten und krisenhaften Moderne immer wieder neu zu beheimaten ist der Weg, auf dem Heimat heute anders als früher hergestellt werden kann, sagt Beate Mitzscherlich. Dabei seien drei Bedürfnisse entscheidend, die im heutigen Begriff von Heimat zusammenkommen. „Das Bedürfnis sich sozial einzubinden, das Bedürfnis Spuren zu hinterlassen, indem man sich in der Verantwortung für Menschen und Orte beteiligt und das Bedürfnis, seinem Dasein einen Sinn zu geben, so dass dem eigenen Handeln Ziel und Richtung gegeben werden.“ Das erklärt, warum immer mehr Menschen ihr Zuhause an sozialen Beziehungen zu Freunden, der Familie oder gar Fremden festmachen. So wie die Berliner Schauspielstudentin Guylaine Hemmer. Das Miteinander von Menschen gebe ihr das Gefühl, eine Heimat zu haben. Und das müssen für die weltoffene 25-Jährige keineswegs Freunde sein.  „Es kommt darauf an, wie ich das Leben mit ihnen gestalte und wie fruchtbar und erfüllend diese Beziehungen sind.“ Auf etlichen Rucksack-Reisen habe sie das immer wieder erlebt. „Es müssen nicht einmal Beziehungen sein, bei denen man viel miteinander spricht“, sagt sie und erinnert sich an eindrückliche Begegnungen in Indien. Nach dem Abschluss ihres Südost-Asien-Studiums arbeitete sie mehrere Monate in Delhi in einem Hospiz und begleitete sterbende Menschen. Doch trotz ihrer sehr guten Kenntnisse in den Sprachen Hindi und Urdu konnte sie des Öfteren nicht mit den Patienten kommunizieren – zumindest nicht verbal. „Mit viel Interesse und gegenseitigem Respekt haben wir dann gemeinsam ganz essenzielle Kommunikationsebenen erreicht. Und wir stellten fest, dass wir den gleichen Punkt im Herzen hegten: Wir wollen geliebt werden und möchten lieben. Das zu erkennen und für mich durch Christus zu leben, schenkte mir Heimat.“

Heimat 2.0
Durch Kommunikationsmöglichkeiten ist auch eine weitere Form von Heimat entstanden. Im Internet erschaffen sich vor allem junge Menschen neue Welten eines Zuhauses durch soziale Netzwerke wie Facebook, StudiVZ oder Chat rooms. In der virtuellen Nähe zu den so genannten „Freunden“ kreieren sie ihr eigenes Universum, „jenseits einer Welt, in der sie oft kein Zuhause finden angesichts fehlender Ausbildungsplätze der eines Wirtschaftssystems, das auf Erfolgsdruck basiert“, schreibt die Medienwissenschaftlerin Christina Schachtner in der Zeitschrift „Psychologie heute“. Es entwickle sich ein neues Verständnis von Heimat, da das soziale Zuhause verschiebbar geworden ist. „Die Wege durchs Netz machen nicht heimatlos, sie laden ein zum Verweilen, sie erlauben ein oft intensives Miteinander – für eine bestimmte Zeit, nicht für immer“, so Schachtner. Dass es älteren Generationen nicht unbedingt leicht fällt, diese neue Sichtweise von Heimat zu verstehen, gesteht der 66-jährige Pater Anselm Grün. Das neue Heimatgefühl junger Menschen ist „für uns Erwachsene – und auch für mich als Mönch – und für die Seelsorger und Seelsorgerinnen der Kirchen eine Herausforderung, sie zu verstehen, aber auch sie bei ihrer Suche nach Heimat zu begleiten“. Im Grunde aber verberge sich dahinter nur die Angst „heimatstiftende Netze“, wie das der Familie, zu verlieren. Sie treibe junge Menschen dahin, andere Netze wie das virtuelle aufzubauen, in denen sie sich getragen fühlen.

Heimatlose auf der Suche
Der deutsche Dichter Theodor Fontane hat einmal gesagt: „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.“ Folglich kann nur der Verlust der Grundbedürfnisse – für die der Begriff Heimat heute steht – eine solch starke Sehnsucht hervorbringen, wie wir sie derzeit erleben. Heimat und Heimatlosigkeit sind daher soziologische wie auch seelische Wirklichkeit geworden. Denn auch in Zukunft werden wir immer wieder, öfter und weiter unterwegs sein – welche Gründe auch immer dafür ausschlaggebend sein werden – berufliche, familiäre oder wirtschaftliche. Es stellen sich daher die Fragen: Wo findet der äußerlich und innerlich heimatlose Mensch neu sein Zuhause? Wo findet neu Beheimatung statt? Wo gibt es die Hoffnung auf einen festen Halt im Leben? Oder ist Heimat doch nur eine Utopie, so wie der Philosoph Ernst Bloch sie in seinem Buch „Prinzip Hoffnung“ beschreibt. Dass Heimat als etwas in der Welt entsteht, „das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war“? Das heißt, dass die Sehnsucht nach Heimat uns begleitet, zugleich aber auch ein Ort ist, den wir nie erreichen werden? Fakt ist: Die Sehnsucht nach Heimat bewegt jeden Menschen. Die ehemalige Landesbischöfin Hannovers und EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann schreibt in ihrem neuen Buch „Sehnsucht nach Leben“, die Sehnsucht nach Heimat könne in uns auch einen Appell auslösen, weniger rastlos zu sein. „Zu Hause anzukommen, die Nachbarn einzuladen, sich vor Ort zu engagieren, ja, sich zu ‚verorten‘ und dann zu sagen: ,Hier gehöre ich hin‘ “. Dazu gehöre auch vielleicht manches Mal, dass die Bindungen vor Ort wichtiger werden als eine mögliche Dienstreise nach Rio oder ein kurzfristiges Engagement in Neuseeland. „Sich beheimaten – das ist ein besonderes Lebensgefühl, das die Seele stärkt“, so Käßmann.

Heimat und Heimatlosigkeit
Wir werden also weiter unterwegs sein zwischen Heimat und Heimatlosigkeit. Einer Zerrissenheit, die zum Leben auf dieser Erde in gewisser Weise dazugehört. Die Bibel berichtet in vielen Geschichten von ihr. Bereits das erste Menschenpaar ist mit ihr konfrontiert, als Adam und Eva den Garten Eden, die von Gott vollkommen geschaffene Heimat, verlassen müssen. Auch später begegnet man heimatlos Gewordenen wie Noah, Abraham oder den Jüngern. Und natürlich nicht zu vergessen: die Geschichte des Volks Israel, die von Heimat, Flucht, Migration und Diaspora erzählt. Auch Gottes Sohn verließ bei seiner Menschwerdung die himmlische Heimat, um als Jesus von Nazareth bei den Menschen zu wohnen. Und er bekannte sich zu dieser Heimatlosigkeit: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Lukas 9,58). Jesus, der Sohn Gottes, gehörte nie ganz in diese Welt. Er hatte stets seine Heimat in Gott dem Vater. Und diese innere Heimat in Gott ließ ihn die irdische Heimatlosigkeit aushalten. Sie gab ihm Kraft und Zuversicht, vor allem aber Sicherheit und Geborgenheit – bis in die schwersten Stunden seines Lebens, als die „Seinen“ ihn verspotteten, kreuzigten und töteten. Und er durchlebte auch tiefste seelische Heimatlosigkeit am Kreuz („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“), nur um durch seinen Tod und die Auferstehung uns Menschen den Eintritt in die ewige Heimat bei Gott wieder zu ermöglichen. „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? (Johannes 14,2). – „Wir werden also in etwas Vertrautes hineinsterben, in das Haus des Vaters, in dem Jesus uns eine Wohnung bereitet hat, in dem wir zu Hause sind, in dem wir für immer Heimat erfahren werden“, sagt Pater Anselm Grün.

Heimat im Himmel
So mache denn auch ich, der seine irdische Heimat in Düsseldorf genießt, nicht alles, was mir Sicherheit und Halt gibt, an einer Stadt am Rhein fest. Auch nicht an den dort lebenden Menschen. „Für immer“ hier zu bleiben, ließe sich eventuell einrichten und wäre sicherlich schön. Es entspricht aber eher einem Wunsch als der Realität unserer Zeit. Und natürlich relativiert sich ein „für ewig“ im Blick auf mein Zuhause, das ich eines Tages beziehen werde. Wie andere Christen weltweit glaube ich daran, dass ich eines Tages in eben jener himmlischen Stätte, die Jesus bereitet hat, eine Wohnung beziehen werde. Den Schlüssel dafür trage ich schon jetzt durch den Glauben bei mir. Sich schon derart im Himmel beheimatet zu wissen, ist ein besonderes Lebensgefühl. „Unsere Heimat ist der Himmel, wo Jesus Christus, der Herr lebt“ (Philipper 3,20). Das macht mich zuversichtlich, gelassen und gibt mir Frieden in einer immer lauter werdenden Welt. Es gibt mir Heimat. Schon jetzt. Und wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mir wünschen, dass meine ewige Heimat ein bisschen wie Düsseldorf aussieht.

Stefan Rüth ist Redakteur beim Magazin NEUES LEBEN. Er lebt mit seiner Familie in Düsseldorf.

Ausgabe: Sommer 2011