Katastrophale Zustände


(c) photocase

Sie sind immer für ein Schnäppchen zu haben – doch den Preis dafür zahlen oft andere. In einer aktuellen Studie hat die „Kampagne für Saubere Kleidung“ (CCC) die Produktionsbedingungen für Näherinnen in den Fabriken von Lidl, Aldi und Kik in Bangladesch untersucht.

Datenkrake wächst


(c) iStock/alexsl

Sie bieten enorme Chancen zu Begegnung und Austausch – greifen aber auch auf immer mehr persönliche Daten zu. Facebook und Google+ stehen daher nicht das erste Mal in der Kritik der Datenschützer. Doch mit der Gesichtserkennungsfunktion wird für viele eine wichtige Grenze überschritten.

Gewalt verändert Gehirn


(c) photocase/kallejipp

Wärme, Offenheit und Feingefühl – das sind Empfindungen, die jeder kennt und die zum Menschsein dazu gehören. Forscher der Universität Queensland (Australien) haben jetzt herausgefunden: Diese Gefühle nehmen stark ab bei Personen, die regelmäßig Gewaltspiele konsumieren.

Schutzlos ausgeliefert


(c) World Vision

In keinem anderen Land der Welt werden Christen derzeit blutiger verfolgt als in Nigeria. Seit die islamistische Terrorgruppe „Boko Haram“ den Heiligen Krieg ausgerufen hat, starben bereits hunderte Christen durch Bomben und Schüsse.

Überwachung nimmt zu


Sicherheit ist ein hohes Gut – im täglichen Leben, beim Reisen und das alles erst recht in Zeiten besonderer Bedrohung durch terroristische Gefahren. Dass dabei immer mehr Freiheiten und Rechte durch politische Maßnahmen beschränkt werden, ist eine Konsequenz, die viele Bürger stillschweigend hinnehmen.

Islam braucht Reformen


Für Reformen innerhalb der muslimischen Theologie hat sich die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher (Foto) ausgesprochen.

Patent auf Leben?


Eher selten denkt man bei Patenten an Menschenwürde. Doch eine aktuelle Entscheidung aus Straßburg stellt den Zusammenhang her: Der Mensch ist nicht patentierbar. Mit seinem grundlegenden Urteil verbietet der Europäische Gerichtshof Patente auf embryonale Stammzellen sowie Verfahren zu ihrer Herstellung.

Leben und leben lassen


Mit einem „Marsch für das Leben“ haben rund 2.100 Menschen gegen Euthanasie und für den Schutz ungeborenen Lebens demonstriert. Mit weißen Holzkreuzen als Symbol für abgetriebene Kinder zogen die Teilnehmer der diesjährigen Kundgebung durch Berlin-Mitte.

Krise in Somalia verschärft


Das Horn von Afrika erlebt die schlimmste Dürre seit 60 Jahren: Bisher erreicht das Welternährungsprogramm zwar etwa acht der mindestens elf Millionen Menschen, die vor allem in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti akute Hilfe benötigen

Umstrittene Waffenexporte


Panzer nach Saudi-Arabien, Patrouillenboote nach Angola, U-Boote nach Israel – die deutsche Rüstungsindustrie verdient sich als drittgrößter Exporteur der Welt eine goldene Nase. Ob dieser Handel ethisch vertretbar ist, steht nicht zum ersten Mal zur Diskussion.

Organspende, Ja oder Nein?


Deutschland bekommt ein neues Transplantationsgesetz: Es soll regeln, wie mit einer möglichen Organspende nach dem Tod umgegangen wird. Die Diskussion darüber wirft eine Menge ethischer Fragen auf, an denen sich auch die Kirchen beteiligen.

Zehn Jahre nach 9/11


Passagierflugzeuge, die in die Zwillingstürme des World Trade Centers krachen, riesige Rauch- und Staubwolken in den Straßen, verzweifelte Schreie umherirrender Menschen, herabstürzende Trümmer und Büroangestellte, die sich in panischer Angst aus dem Fenster stürzen –

Papst besucht Deutschland


Papst Benedikt XVI. kommt nach Deutschland – daran erhitzen sich bereits lange vorher einige Gemüter. Während sich zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Magazins landesweit bereits 175.000 Menschen für die fünf Großgottesdienste Josef Ratzingers angemeldet hatten, organisieren sich Papst-Gegner.

Auf eine Minute


(c) photos.com

Der Mensch ist das einzige Wesen, das als Gottes Ebenbild geschaffen wurde. Gott sagt nach dem Bericht in der Bibel: „Lasst uns Menschen machen, ein Bild; das uns gleich sei“ (1. Mose 1,26).

Magazin :: Gesellschaft


(c) iStock/TCTomm

Zehn Jahre nach 9/11



Wie die Anschläge vom 11. September 2001 unsere Gesellschaft verändert haben

Von Carsten Polanz

Passagierflugzeuge, die in die Zwillingstürme des World Trade Centers krachen, riesige Rauch- und Staubwolken in den Straßen, verzweifelte Schreie umherirrender Menschen, herabstürzende Trümmer und Büroangestellte, die sich in panischer Angst aus dem Fenster stürzen – das sind Eindrücke, die man nicht vergessen kann und die schon fast einen apokalyptischen Charakter haben. Wochenlang dominierten die Bilder der zusammenbrechenden Zwillingstürme die weltweite Medienlandschaft. Der 11. September 2001 markiert einen tiefen Einschnitt. In vielen Bereichen des Alltags, in Politik und Gesellschaft hat er tiefe Spuren hinterlassen. Zugleich steht der 11.9. für die bis heute andauernde Herausforderung der westlichen Gesellschaften durch den Islamismus.

 

Die Motivation der Attentäter

Der inzwischen getötete al-Qaida-Chef Osama bin Laden lobte nach den Anschlägen den „Allmächtigen“ dafür, dass er die Vereinigten Staaten „an ihrer verwundbarsten Stelle“ getroffen, „ihre größten Gebäude zerstört“ und sie „in Angst und Schrecken versetzt“ habe „von Nord bis Süd, von Ost bis West“. Während viele muslimische Geistliche gegenüber westlichen Medien die Anschläge scharf verurteilten, gab es an manchen Orten der islamischen Welt auch Jubel und Genugtuung darüber, dass endlich mal jemand die „arrogant“ und „selbstherrlich auftretende“ Supermacht Amerika gedemütigt habe. Was veranlasst Menschen dazu, sich im Namen Gottes selbst zu töten und dabei noch zahlreiche unschuldige Menschen mit in den Tod zu reißen? Das fragten sich viele Menschen angesichts der Grausamkeit der Anschläge. Mohammad Atta, einer der Attentäter, schrieb in einer Art spiritueller Anleitung für seine Mittäter: „Sei stark und glücklich mit geöffnetem Herzen und Zuversicht, denn du tust Arbeit, die gottgefällig ist und die er segnet … und deine Tat wird durch Gottes Willen befürwortet.“ Sowohl vor als auch nach dem 11.9. haben sich zahlreiche weitere muslimische Selbstmordattentäter in und außerhalb der islamischen Welt mit derselben Motivation in die Luft gejagt. Sie sehen sich in einem universalen Kampf gegen die Ungläubigen und Feinde ihrer Religion. Dabei verweisen sie auf Koranstellen wie Sure 9,111 und erhoffen sich, durch ihren „Tod im Kampf für Gott“ direkt ins Paradies zu kommen. Sie wollen damit der Ungewissheit entgehen, ob ihre guten Werke am Tag des Gerichts ihre Sünden und Versäumnisse aufwiegen können und Gott sie belohnen oder bestrafen wird. Bezeichnenderweise waren Atta und Co. vor ihrem Anschlag gegen das „gottlose“ und „unmoralische“ Amerika immer wieder in Bars und Nachtclubs gesehen worden, wo sie ihr Geld für Alkohol und die Dienste von Prostituierten ausgegeben hatten. Ihr Selbstmordattentat galt für sie als Ticket zum Paradies.

Die Sorge vor dem „Clash of Civilisations“

Nicht nur für die Attentäter, auch für viele Nicht-Muslime in westlichen Gesellschaften wurde der 11.9. zum Symbol für einen „Kampf der Kulturen“. Im Westen setzte man sich nun verstärkt mit dem Islam auseinander. Auch in Deutschland schienen viele die starke Präsenz von Muslimen erst nach den Ereignissen des 11.9. richtig wahrzunehmen. Plötzlich interessierte man sich stärker für das, was Türken, Libanesen, Iraker und Marokkaner von nebenan denken und glauben, welche Traditionen und Werte sie aus ihren Heimatländern mitgebracht haben. Dabei war man vor allem erschrocken darüber, dass einige der Attentäter über Jahre als Studenten völlig unauffällig in einer Großstadt wie Hamburg gelebt hatten, bevor sie über Nacht zu weltbekannten Terroristen wurden. Das führte bei manchen zu einer tiefen Unsicherheit und einer Angst vor möglichen „Schläfern“ in der eigenen Nachbarschaft. Zugleich nahm das Interesse an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen in der islamischen Welt zu. Man beschäftigte sich fortan auch intensiver mit der Menschenrechtssituation in islamischen Gesellschaften, vor allem der fehlenden Meinungs- und Glaubensfreiheit sowie der Diskriminierung der Frau. Die „Scharia“ – das islamische Recht – ist dabei zu einem Synonym für den totalitären Anspruch der Islamisten geworden, das gesamte persönliche und öffentliche Leben nach den Maßgaben ihrer Religionsauslegung zu gestalten.

Gleichgültigkeit im Dialog

Der 11.9. wirkte sich auch auf die Integrationsdebatte in Deutschland aus. Die Multikulti-Euphorie in manchen Teilen der Gesellschaft ließ in den folgenden Jahren spürbar nach. Man wurde sich bewusst, dass ein friedliches Zusammenleben zwischen den Religionen und Kulturen kein Selbstläufer ist. Muslime reagierten ihrerseits auf die zunehmenden Nachfragen. Sie präsentierten vor allem im Internet ihre eigene Religion als friedliebend und tolerant und jeglichen Terror im Namen des Islam als schrecklichen Missbrauch der „wahren Religion“. Beim Jihad – dem „Heiligen Krieg“ – gehe es vor allem um den Einsatz für den Frieden, den Kampf gegen die eigenen niederen Instinkte und gegen die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft. Vertreter der verschiedenen Religionen suchten verstärkt den Dialog und betonten nach dem 11.9. ganz bewusst die Gemeinsamkeiten der „abrahamitischen Religionen“. Dialogtreffen gerieten dabei jedoch allzu oft zu Schauveranstaltungen. Gerade Vertreter der beiden großen christlichen Konfessionen verwechselten dabei häufig Toleranz mit Gleichgültigkeit und scheuten sich im Gespräch mit Muslimen, auf zentrale Unterschiede im Gottes- und Menschenbild einzugehen.

Das politische Erbe des Islam

So wurden auch Schlüsselfragen der Integration wie die Trennung von Staat und Religion im Dialog in der Regel ausgeklammert. Bereits Muhammad vereinte als islamischer Prophet religiöse und politische Herrschaft in seiner Person. Der sogenannte Islamismus ist daher aus Sicht seiner Anhänger lediglich die Rückbesinnung auf die Quellen und Wurzeln ihrer Religion. Liberal und gemäßigt eingestellte Muslime haben es folglich schwer, für eine Trennung von Staat und Religion zu argumentieren. In ihren Heimatländern werden sie bis heute häufig als Häretiker oder Apostaten verfolgt und mit dem Tod bedroht. Aus Sicht der Islamisten haben sie den „wahren Islam“ und die angebliche Überlegenheit der muslimischen Gemeinschaft verraten. Eine Demokratie, die sich nicht mehr den Geboten der Scharia verpflichtet sieht, ist für sie undenkbar. Hier liegt die große Herausforderung der nächsten Jahre. Integration kann hierzulande nur dort gelingen, wo sich muslimische Verbände und Vereine grundsätzlich von einem politischen Herrschaftsanspruch ihrer Religion lösen und die Garantie von Menschenrechten nicht mehr an die Einhaltung von Scharia-Normen knüpfen. Wo sie dies nicht tun, stellt ihr Bekenntnis zum Grundgesetz nur eine taktische und vorübergehende Akzeptanz der derzeitigen politischen Gegebenheiten dar. Auf diese Weise bereiten sie mit ihrem Scharia-Islam den ideologischen Nährboden für militante Gruppierungen.

Das Radikalisierungspotenzial

Sicherheitsbehörden richten daher ihre Aufmerksamkeit seit dem 11.9. verstärkt auf die Einflüsse, die vor allem in Koranschulen und Hinterhofmoscheen auf junge Muslime ausgeübt werden. Sie warnen vor dem Phänomen des sogenannten „Homegrown“-Terrorismus, also der Radikalisierung junger Menschen, die in der westlichen Welt aufgewachsen sind. In einer Studie für das Bundesinnenministerium erkannten die Kriminologen Katrin Brettfeld und Peter Wetzels 2007 ein Radikalisierungspotenzial bei jedem Zehnten Muslim in Deutschland. Unter den jugendlichen Migranten liegt die Zahl sogar bei knapp 30 Prozent. Viele von ihnen leben in einer großen Zerrissenheit zwischen ihrer traditionell-religiösen Herkunftskultur und den Freiheiten der modernen pluralistischen Gesellschaft. Die westliche Beliebigkeit in Sinn- und Wertefragen stößt viele ab. Sie suchen ihre Identität, häufig auch klare Orientierung, in der Fülle der Angebote und wollen eine Gemeinschaft, in der sie anerkannt und gebraucht werden. Hier setzen die islamistischen und jihadistischen Gruppen an und werben mit entsprechenden Angeboten um ihre Klientel: eine klar umrissene islamische Identität, eine verschworene Gemeinschaft mit einem ausgeprägten Überlegenheitsanspruch gegenüber der „ungläubigen“ und „unmoralischen“ westlichen Gesellschaft, strikte Verhaltensgebote und einen eigenen Platz im großen „Projekt“ des Jihad. Zugleich werden die eigenen Ängste, Versäumnisse und Unzulänglichkeiten auf die westlichen Gesellschaften projiziert und die Isolation der Betroffenen dadurch noch verstärkt. Der Einfluss dieser Ideologie beschränkt sich dabei nicht nur auf Migranten. Auch junge Deutsche, zum Islam konvertiert, sympathisieren häufig mit dem politischen und militanten Islam. Einige von ihnen haben sich sogar in den letzten Jahren in afghanischen und pakistanischen Terrorcamps ausbilden lassen.

Abwägung zwischen Freiheit und Sicherheit

Die verschärften Sicherheitskontrollen an Flughäfen und die Vorratsdatenspeicherung stehen beispielhaft für eine neue Sicherheitspolitik nach dem 11.9. Im Namen der Terrorbekämpfung wurden in den letzten zehn Jahren in westlichen Ländern umfangreiche Sicherheitspakete verabschiedet, die dem Staat zum Teil weitreichende Befugnisse geben, in die Freiheiten und die Privatsphäre seiner Bürger einzugreifen. Befürworter dieser Politik sehen in der erfolgreichen Zerschlagung von Terrorzellen wie der „Sauerland-Gruppe“ eine Bestätigung dieser Politik. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International beklagen dagegen eine „Politik der Angst“, die Furcht vor Terrorismus und unkontrollierter Zuwanderung schüre, Misstrauen vertiefe und rechtsstaatliche Grundsätze aushöhle. Menschenrechte würden zunehmend aus sicherheitspolitischen Interessen zurückgestellt. Die zweifellos andauernde Gefahr des islamistischen Terrorismus stellt uns damit auch vor die Frage, wie viel Freiheit wir bereit sind für die Sicherheit aufzugeben.

Die Verantwortung der Christen

Die Herausforderungen der mit dem 11.9. verbundenen Entwicklungen sind groß. Gerade Christen sind gefragt, trotz aller bedrückenden Entwicklungen mutig und offen auf Muslime in ihrem Umfeld zuzugehen und Pauschalverurteilungen zu widerstehen. Viele Muslime in unserem Land beklagen die zahlreichen Gewaltakte im Namen des Islam. Sie bedauern die politische Instabilität und Unterdrückung unter den korrupten Diktatoren in ihren Heimatländern und wünschen sich mehr Freiheiten im Zuge der aktuellen Aufstände. Viele schätzen die umfassenden Rechte und Freiheiten, die sie in Deutschland genießen. Aber gerade die jungen Menschen unter ihnen stellen der Mehrheitsgesellschaft und insbesondere auch den Christen direkt oder indirekt die Frage, wie man mit dieser großen Freiheit richtig umgehen kann, was dem Leben Sinn gibt, nach welchen Maßstäben man leben und Beziehungen gestalten kann. Bleibt die Gesellschaft ihnen diese Antwort schuldig, werden andere versuchen, dieses Vakuum zu füllen. Aus dieser Perspektive könnte man sogar der Einschätzung zustimmen, dass das größte Problem in der westlichen Welt derzeit nicht der radikale Islam, sondern das laue, nominelle Christentum ist.

Carsten Polanz ist Islamwissenschaftler in Bonn.

Ausgabe: Herbst 2011

Teilen