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(c) istockphoto/suchi
Gut Ding will Weile haben
Von Wilfried und Doris Schulte
Als meine Augen beim Überfliegen eines Artikels diese Worte streifen, muss ich innehalten. Wie sehr ist dieses Prinzip doch aus der Mode gekommen. Alles muss schnell gehen: schnell etwas kochen, schnell etwas besorgen, schnell jemanden besuchen. Sofortnachrichten per SMS und Instant-Messenger, Antwortsuche in Bruchteilen von Sekunden bei Google und Schnelltests für alle möglichen Fragen und Probleme des Lebens sind nur einige Angebote für ein Leben in rasantem Tempo. Auch das Fernsehen zieht mit: Neben Wett-Kochsendungen und Schnell-Beratungen für alle Lebensbereiche werden Sänger-, Modell- und Schauspiel-Superstars aus dem Boden gestampft.
Dabei will gut Ding Weile haben. Die Frage ist: Haben wir „Weile“? Nehmen wir uns für Dinge noch wirklich Zeit? Fakt ist: Wir haben heutzutage so hohe Leistungsansprüche, dass wir es als Luxus empfinden, uns mit einer Sache Zeit zu lassen. Fakt ist aber auch: Schnell gelangt man in den meisten Fällen leider höchstens knapp unter die Oberfläche. Instantsuppen machen nicht lange satt und Shootingstars sind oft bald wieder vergessen. Für Tiefgang und Nachhaltigkeit braucht man eben Zeit. Und das gilt auch für andere Bereiche des Lebens: Eine Beziehung funktioniert nicht „instant“, die Frage nach dem Sinn des Lebens kann nicht in einem Augenblick geklärt werden, Träume für die Zukunft blitzen vielleicht in Sekundenschnelle auf, brauchen dann aber unsere volle Investition, um auch gelebt zu werden.
„Meine Zeit steht, Gott, in Deinen Händen“. König David, der Mann, der diese Worte findet, weiß, was es heißt, unter großem Druck zu stehen und viele Aufgaben erfüllen zu müssen – schließlich hat er einem großen Volk vorzustehen. Aber er weiß auch, dass ihn Geschwindigkeit nicht unbedingt ans Ziel bringt. Vielmehr ist es das Wissen darum, dass es eben nicht auf ihn und sein Zeitmanagement ankommt, sondern auf den ewigen Gott, bei dem die Uhren ganz anders ticken. Hier sind Schwache stark, Langsame schnell, Einfältige gesegnet. Ihm zu vertrauen schenkt dem Leben eine gesunde Balance und einen höheren Frieden. Er möchte auch heute unsere gehetzte Geschäftigkeit durchbrechen, uns eine Bremse inmitten der Geschwindigkeit dieses Lebens anbieten und uns eine Ruhe schenken, die alles andere als unproduktiv ist. Es ist eine Ruhe, die Kraft schenkt, die wieder das Wesentliche in den Blick rückt und die die Gewissheit gibt: Da ist jemand, der nicht abhängig ist von meinen Terminen, sondern der mit seiner Unendlichkeit in meine Begrenzungen kommt und mit einer neuen Weite mich und meine Zeit segnet.
Elena Schulte arbeitet als Referentin und Mentorin bei Neues Leben.
Sie ist verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter.
Ausgabe: Herbst 2009

















