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Impuls
Gottes Gnade ist anders
Von Doris und Wilfried Schulte
Ein Bekannter von uns ist anscheinend sehr fotogen. Jedenfalls bekommt er mehr Fotos zugeschickt, als ihm lieb ist. – Jedes Foto zeigt ihn dabei in seinem Auto, wie er hinter dem Lenkrad sitzt. Schon zweimal musste er innerhalb eines Jahres seinen Führerschein abgeben. Beim zweiten Mal legte er – ohne zu zögern – Einspruch ein. Seine Begründung: Das hohe Strafmaß käme nur deshalb zustande, weil er in demselben Jahr schon einmal zu schnell unterwegs gewesen sei. Die Argumentation vor dem Richter schien logisch: Da er bereits für das erste Vergehen seine Strafe bezahlt habe, sei es abgegolten. Es dürfe also nicht noch einmal in die Berechnung der neuen Strafe einbezogen werden. Aber der Richter, der wusste, dass unser Bekannter im kirchlichen Dienst tätig war, sagte: „Als Christ verstehe ich ihr biblisches Verständnis von Gnade, aber dieses Verständnis ist nicht Teil unserer staatlichen Rechtsprechung.“
Gottes Konzept der Gnade ist anders. Sie steht für einen vollkommenen Freispruch ohne versteckte Auflagen. Sein Angebot heißt: „Ich werde meine Gesetze in ihre Herzen legen und werde sie in ihr Innerstes schreiben. Ich werde nie mehr an ihre Sünden und an ihren Ungehorsam gegenüber meinen Geboten denken“ (Hebräer 10,16–17). Und noch schöner: „Gott wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen!“ (Micha 7,19). Das heißt, Gott stellt dazu ein Schild für uns persönlich auf (und für alle anderen auch), auf dem steht: „Fischen verboten!“
Wie gut, dass Gott so anders ist als wir Menschen. Wie gut, dass Gottes Gnade so anders ist! Er vergibt und spricht uns frei. Um seiner Gerechtigkeit zu genügen, übernimmt Gott selbst die Kosten, die wir nie selber zahlen könnten. Dafür gab Jesus sein Leben am Kreuz von Golgatha. Gottes Gnade geht noch einen Schritt weiter. Er ordnet nicht nur unsere Vergangenheit – er befreit uns zu einem echten Neuanfang. Er schenkt uns den Mut und die Kraft, unser Leben, unseren Alltag, unsere Beziehungen neu anzugehen. Wie ein Navigationsgerät uns den Weg zeigt, so wird Gott den Menschen führen, der ihm glaubt, der sein Wort liest und der sein Denken, Fühlen und Handeln darauf aufbaut. Und sollte unsere „fotogene“ Seite dann doch noch zutage treten, dann dürfen wir wissen: Gottes Gnade genügt ganz gewiss!
Doris Schulte arbeitet als Referentin zu Lebens- und Glaubensfragen. Wilfried Schulte ist Direktor von Neues Leben und Herausgeber dieses Magazins.
Ausgabe: Herbst 2010










