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Mit dem Herzen hören
Der fünfjährige Max wird von seinem Vater gerufen, aber er kommt nicht. Als der Vater ihn zur Rede stellt, antwortet Max: „Ich hab dich nicht gehört.“ Der Vater schaut ihm tief in die Augen und fragt: „Max, hast du mich wirklich nicht gehört?“ Max schaut schweigend nach unten. Nun fragt ihn der Vater: „Max, wie oft hast du mich denn nicht gehört?“ – „Drei oder vier Mal“, antwortet der kleine Junge.
Eine Geschichte zum Schmunzeln, aber auch die Geschichte unseres Lebens. Gott ruft und spricht immer wieder in unser Leben hinein. Nur, da gibt es so viel Wichtiges, so viel Dringendes, so viel Interessantes, so vieles, was wir anscheinend viel lieber tun, als auf das zu hören, was unser Vater im Himmel uns sagen will. Aufgaben müssen abgearbeitet und Entscheidungen getroffen werden. Im Nacken sitzt uns dabei die Sorge, etwas Wichtiges zu verpassen. Nur: Wer sagt mir, was wirklich wichtig ist? Unser unsichtbarer Gott ruft uns deutlich zu: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten“ (Ps. 32,8).
Gott, der immer ein Auge auf uns hat, verlangt Blickkontakt. Er will uns mit seinen Augen leiten. Aber es ist nicht immer ganz leicht, den Blickkontakt nicht zu verlieren. Zunächst brauchen wir deshalb eine grundsätzliche Entscheidung: Ich will die himmlischen Tagesnachrichten von Gott lesen, nicht nur die Tageszeitung oder das ARD-Morgenmagazin gucken! Dieser Grundsatz muss nicht ständig überprüft werden. Dazu gehört auch die Entscheidung, nach Gottes Willen zu fragen. Dann finden wir, dass ein „ruhiger“ Ort wichtig ist – ein Ort, wo uns nicht die Arbeit oder etwas anderes, das uns ablenkt, direkt in die Arme springt. Eine gewisse Regelmäßigkeit hilft, gute Gewohnheiten aufzubauen. Jemand hat einmal gesagt: „Du wirst erstaunt sein, wie viel du mit deinem Herzen hören wirst, wenn du mit deinen Augen liest.“ Die dritte Hürde ist für uns die Höchste. Hier geht es darum, das Gehörte in unserem Leben umzusetzen. Der Schriftsteller Mark Twain sagte einmal, er habe keine Probleme mit den Stellen in der Bibel, die er nicht verstehe – sondern mit den Stellen, die er verstehe!
Wie oft kommen wir uns vor wie der kleine Max! Wie gut, dass Gott in seiner liebevollen und väterlichen Art nie müde wird, uns zu rufen. Denn es bleiben Gottes Worte, die uns helfen, unser Leben zu meistern. Nicht umsonst heißt es in Römer 12,2: „Lasst euch von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist!“
Doris Schulte arbeitet als Referentin zu Lebens- und Glaubensfragen. Wilfried Schulte ist Direktor von Neues Leben und Herausgeber dieses Magazins.
Ausgabe: Herbst 2011


















