Machst du Witze?

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Magazin :: Glosse


(c)iStockphoto.com/I. Zakowsky

Machst du Witze?

Dinge, die ich an dir gehasst habe

Von Phil Callaway

 

Sechs Monate vor meiner Hochzeit tippte mir ein älterer Mann auf die Schulter und riet mir: „Ramona ist ein wunderbares Mädchen, die einen guten Ehemann verdient. Heirate sie, bevor sie einen findet.“ Bevor Ramona selbst zustimmte, drückte sie mich nach dem Gottesdienst auf den Sitz, legte meine Hände auf eine Bibel und fragte: „Du bist ziemlich gut im Basketball, Phil, aber hast du jemals einen Wäschekorb in die Hand genommen? Und wirst du Sprüche wie ‚Das habe ich dir doch gleich gesagt‘ oder ‚Gibt’s hier irgendwo was zu essen?‘ aus deinem Sprachgebrauch streichen?“ Ich küsste sie innig und willigte ein, an diesen Dingen zu arbeiten. Binnen kurzer Zeit standen wir vor dem Traualtar, wo der Pastor mich mit weiteren Fragen malträtierte. „Willst du diese Frau zu deiner rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen? Willst du den Abfluss reinigen, wenn du dich rasiert hast, und willst du das Bett machen, wenn du als Letzter aufgestanden bist? Willst du sie lieben und ehren – und aufhören Brathähnchen mit der Gabel zu essen, bis dass der Tod euch scheidet?“ Ich küsste sie innig und willigte ein, an diesen Dingen zu arbeiten.

 

Als Ramona und ich noch in der Anfangszeit unserer Beziehung standen, war ich von vielem an ihr angezogen, einschließlich der Tatsache, dass sie das Leben in aller Ruhe anging. Ich hingegen war ständig am Laufen. Sie brachte mir bei, anzuhalten und das Schöne am Weg zu sehen. Schon drei Wochen nach unserer Hochzeitsreise aber löste der Mangel an Geschwindigkeit, mit dem sie durchs Leben ging, Adrenalinschocks in mir aus. Und das war nicht das Einzige. Während unseres ersten Ehejahres wollte ich deshalb Luthers Beispiel folgen und eine Liste meiner Irritationen an die Badezimmertür nageln. Ich kam nicht ganz auf 95 Thesen, aber es reichte. Kostprobe gefällig?

1. Du bist zu freundlich zu Telefon-Verkäufern. An unserem ersten Hochzeitstag unterbrach ein Anruf unser Candlelight Dinner, das ich vorbereitet hatte. Du hast über zwei Minuten mit einem völlig Fremden geredet, nur weil du zu höflich warst um aufzulegen.

2. Ein Schweigegelübde ist gut für Mönche. Unsere abendlichen Diskussionen sind so einseitig wie ein Spiel der Chicago Cubs. Du verstummst während eines Streits. Schweigen kann eine Tugend sein, aber es kann einen auch wahnsinnig machen.

3. Spontane Küsse passen nicht in deinen Kalender. Ich liebe es Dinge zu tun, die wir nicht geplant haben. Kurze Ausflüge, Überraschungskäufe – oder Knutschen im Auto auf dem Weg ins Blaue. Du magst zwar die Küsse, aber du möchtest sie planen.

4. Freigiebigkeit ist nicht immer eine Tugend. Letzte Woche hast du vier Kuchen gebacken und drei davon weggegeben. Du hast den Pfadfinderinnen einen Zehner für ihre Kekse gegeben, obwohl die wirklich mies geschmeckt haben.

5. Du wirfst Sachen weg. Ich hänge an meinen Dingen, aber letzte Woche war mein Wollpullover auf einmal nicht mehr da. Dabei hatte ich den zu meinem 17. Geburtstag bekommen!

6. Ich bin aus der Schweiz, du aus Simbabwe. Ich liebe Pünktlichkeit. Du nicht. Ist das ein kultureller Unterschied? Triff mich pünktlich um acht im Wohnzimmer und wir reden darüber.

 

Gott sei Dank nahm ich davon Abstand, die Liste wirklich an unsere Tür zu nageln. 24 Jahre an der Universität der Vielfalt haben mich heute gelehrt, dass wir ein echtes Problem hätten, wenn wir beide gleich wären. Wenn wir beide großzügige Spender wären, wären wir schon bankrott. Wenn wir beide spontan wären, würden wir nie etwas geregelt kriegen. Wenn ich alle Pullover aufheben würde, bräuchte ich bei jedem Umzug mehrere Lastwagen. Die Bibel beschreibt Heiraten als Einswerden. Idealerweise ist Ehe eine Partnerschaft zweier unterschiedlicher Individuen, die gemeinsam stärker sind als allein. Aber dies wird nicht geschehen, bis wir unseren Stolz überwinden und unsere Einzigartigkeit gegenseitig wertschätzen. Zum Beispiel war Ramonas Freundlichkeit zu Telefonverkäufern die gleiche, die mich am Anfang so angezogen hatte. Dankenswerterweise lernte sie diese Eigenschaft im Laufe der Zeit sogar ein wenig angemessener zu dosieren. Ramona sagt nun höflich „Nein danke“ und legt auf. Oder: „Mein Mann würde gerne mit Ihnen sprechen“, und reicht das Telefon weiter an mich. Ich habe sie daraufhin gebeten, mich pünktlich um acht im Wohnzimmer zu treffen, um darüber zu reden.


Phil Callaway ist preisgekrönter Autor von mehr als einem Dutzend Büchern, Redner und Vater von drei Kindern. Er lebt mit seiner Schulfreundin zusammen. Sie sind verheiratet. Miteinander.

Übertragen ins Deutsche von Rainer Schacke.


Ausgabe: Winter 2009