Harte Fragen der Bibel :: Frühling 2012


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Am Anfang des Jakobusbriefs ist von einem Gebet an Gott „ohne zu zweifeln“ die Rede, „denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Wind getrieben und bewegt wird“. Und wer zweifle, brauche nicht zu erwarten, dass er etwas vom Herrn empfangen werde (1,6f).

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Harte Fragen der Bibel :: Frühling 2011

 

FRAGE: Die Bibel redet immer wieder über Israel als Gottes Volk. Warum gerade Israel und was ist mit den anderen Völkern?



Antwort:

 

Im Alten Testament wird oft erwähnt, dass Gott „erwählt“. Neben der Erwählung Israels erscheinen die Erwählung der Könige Israels (etwa Psalm 2,7; 78,70f; 2. Samuel 16,18), der Stadt Jerusalem bzw. des Berges Zion (1. Könige 11,32.36, 5. Mose 12) und die Erwählung besonders beauftragter Einzelpersonen wie Abraham, Mose und Jeremia. Doch was ist damit gemeint? Gottes Erwählen von Menschen zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht an ihren natürlichen Vorzügen, Fähigkeiten oder Verdiensten orientiert ist und ihnen quasi als Belohnung folgt, sondern allein in der Liebe Gottes und im Glauben dieser Menschen an ihn begründet ist. So heißt es von Israel: „Gott hat euch unter allen Völkern der Welt ausgewählt und zu seinem Eigentum gemacht. Und das tat er nicht etwa, weil ihr größer seid als die anderen Völker – ihr seid vielmehr das kleinste unter ihnen! Nein, er tat es einzig deshalb, weil er euch liebte und das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hatte“ (5. Mose 7,6–8). Es geht also nicht um menschlich begrenzte Vorstellungen von Würde oder Gerechtigkeit. Es geht um Gottes Erwählung, mit der bestimmte Vorrechte und Aufgaben verbunden sind.

Die Erwählung Israels ist ein wichtiges Thema im 5. Buch Mose. Sie wird mit der Liebe Gottes und seiner Treue zu seinen Verheißungen insbesondere gegenüber dem Stammvater Abraham begründet. Mit dieser Erwählung ist ein klarer Auftrag verbunden: „Der Herr, euer Gott, hat euch als ein heiliges Volk für sich ausgesondert; er hat euch unter allen Völkern der Erde als sein Eigentum ausgewählt“ (5. Mose 14,2). Erwählung verpflichtet zum Gehorsam Gott und seinen Geboten gegenüber. Mitten in der Völkerwelt soll Israel durch sein Leben nach Gottes Geboten auf seinen Gott hinweisen und ihm Ehre bereiten. Etwas von seiner Größe, Weisheit und Herrlichkeit soll an Israel sichtbar werden. Nicht umsonst liegt das Land, in dem das erwählte Volk wohnen soll, an der Schnittstelle der drei in der Antike bekannten Kontinente und nicht auf einer entfernten Insel. Durch Abraham und seine Nachkommen, das Volk Israel, sollen die anderen Völker gesegnet werden (1. Mose 12). Auch sie sind und bleiben im Blick: Einzelne aus ihnen stoßen zu Israel dazu; Gottes Interesse gilt auch den anderen Völkern, sowohl im Gericht für ihr Versagen vor Gott und aneinander (etwa Amos 1,1–2,3) als auch im Heil (etwa Jesaja 19). Er zeigt sich ihnen, auch dann, wenn sie seine Gaben ihren Göttern zuschreiben (Apostelgeschichte 14,16f). Im Neuen Testament werden alle Völker durch den Messias aus Israel, Jesus von Nazareth, gesegnet („Das Heil kommt von den Juden“, Johannes 4,22). Durch den Glauben an ihn können Sie auch zu Gottes Volk gehören. Im Neuen Testament wird die bleibende Erwählung Israels nicht bestritten, zugleich jedoch die Möglichkeit und Notwendigkeit der Hinwendung Israels zu Jesus betont. Das Evangelium hat seinen Ursprung in Jerusalem, soll aber auch in „ganz Judäa, Samarien und bis an die Enden der Erde“ verkündigt werden (Apostelgeschichte 1,8). Die ursprüngliche Verkündigung der guten Nachricht geschah durch Judenchristen. Insofern sind Christen dem erwählten Israel bleibend verpflichtet.

Prof. Dr. Christoph Stenschke ist Dozent für Neues Testament in Wiedenest und Generalsekretär der Gemeinschaft europäischer evangelikaler Theologen (FEET).

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Ausgabe: Frühling 2011