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Auf die Plätze - fertig - Ruhe!
Von Doris und Wilfried Schulte
Wir beide leben in einer lauten Welt: Handys, Radio, Hör-CDs, Navi-Stimmen und Autobahngeräusche gehören zu unserem Leben im Reisedienst. Im Büro gibt es Telefone, den Computer und MP3s. Und zuhause erwartet uns neuerdings das herausfordernde Lachen oder Weinen unserer Enkeltöchter. In dieser Welt kann die Stille sogar zur Bedrohung werden oder zumindest unangenehm, weil wir sie nicht mehr gewohnt sind. Der Verlust unserer kostbaren Stille ist aber so schwerwiegend wie der Verlust unseres Gedächtnisses – und genauso verwirrend. Die Stille ist letztlich das natürliche Umfeld, in dem wir hören und aus dem heraus wir sprechen. Für uns als Christen hat sie sogar eine ganz besondere Bedeutung. Denn sie dient nicht nur dazu, um in uns hineinzuhören, sondern vielmehr auch, um auf Gott zu hören. Wenn wir Stille vor Gott erleben möchten, müssen wir aber auch von „Zeit zu Zeit“ und von „Fall zu Fall“ mal „nein“ sagen – selbst zu guten Dingen. Von unserem Vorbild Jesus lesen wir in der Bibel, dass er sich immer wieder an einsame Orte zurückgezogen hat, um in Gedanken ganz nahe bei Gott zu sein. Er suchte Gott, der Ruhe, Ordnung und Weisheit in sein Leben brachte. Diese Zeit bewirkte eine solche Ausstrahlungskraft bei Jesus, dass seine engsten Freunde baten: „Herr, lehre uns beten!“ Sie haben nicht gesagt: „Herr, lehre uns heilen oder Wunder zu tun oder tolle Vorträge zu halten!“ Nein – sie haben erkannt, dass das Geheimnis Jesu in der Gemeinschaft – im Gespräch – mit Gott lag.
Die Tür zur Stille ist für jeden die Sehnsucht nach dem Gott der Bibel, der uns retten und zur tiefen Ruhe bringen kann. Manchmal beruhigt er unsere Lebensumstände, manchmal uns. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass wir unserer Sehnsucht nicht selber im Wege stehen, zum Beispiel durch eine verkehrte Blickrichtung: Wir sehen viel zu schnell unsere Aufgaben anstatt den Auftraggeber – Gott selbst. Unsere Beschäftigungen können uns so viel Freude und Anerkennung geben und uns schließlich gefangen nehmen, dass sie uns wichtiger sind als Gott, der uns erst dazu berufen und befähigt hat. Oder eine unrealistische Selbsteinschätzung: „Ohne mich geht nichts!“ – Das würden wir nie laut sagen, aber leider handeln wir oft so. Wer jedoch nicht loslässt, findet nicht zur Stille. Stille, Perspektive und Kraft kommen selten oder nie von alleine. Wir müssen sie suchen. Die Kraft der Stille liegt nicht in irgendeiner geräuschlosen Ruhe, sie liegt in Gott. Sie liegt in der persönlichen Begegnung, in der Gott seinen Finger auf die Unordnung und Unruhe unseres Lebens legen und uns seine Heilung und Ordnung zusprechen darf.
Doris Schulte arbeitet als Referentin zu Lebens- und Glaubensfragen. Wilfried Schulte ist Direktor von Neues Leben und Herausgeber dieses Magazins.
Ausgabe: Winter 2009


