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Das Beste vom Guten wählen
Ganz nach dem Motto „Feste muss man feiern wie sie kommen“ haben wir einen schönen Abend zusammen mit unserer kanadischen Schwiegertochter in einem Restaurant verbracht. Wendy, eine sehr zierliche Person, starrte dabei konzentriert und zugleich verblüfft auf ihre üppige Portion deutscher Kochkunst und flüsterte vor sich hin: „Focus on the meat“ – „Konzentriere dich auf das Fleisch!“
Zuviel des Guten kann bekanntlich kippen und das Gegenteil bewirken. Dabei geht es nicht nur um ein wohlbestelltes Menü im Restaurant, sondern auch um die Vielfalt der Angebote des Lebens. Hier hilft uns nur eins: die Fokussierung auf das Wesentliche, das Entscheidende, das Beste. Genau diese Erfahrung steht am Anfang des Christentums. In der Apostelgeschichte finden wir einen Bericht über die Fokussierung im Blick auf den christlichen Glauben (Apostelgeschichte 2,42– 46). Vier Aspekte werden uns ans Herz gelegt: die Fokussierung auf Gottes Wort, das Gebet, die Botschaft vom Kreuz und die Gemeinschaft der Christen.
Die Bibel ist die perfekte Bedienungsanleitung unseres Schöpfers für unser Leben. Hier offenbart Gott, wie er denkt, was sein Wille ist und wie er uns führt. Hier finden wir alles, was wir zum Leben brauchen: Wegweisung, Trost, Hoffnung, Vergebung und viel mehr. Der Psalmist schrieb: „Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet!“ (Psalm 115, 105)
Nicht nur das Hören auf Gott prägte den Alltag der ersten Christen, sondern auch das Gespräch mit Gott: Alles Loben und Danken, Bitten und Fürbitten waren eine Antwort auf Gottes Reden. Sie waren ein Zeichen ihres Vertrauens: Wer betet, sieht sich, seinen Nächsten und das ganze Leben anders – aus Gottes Augen.
Die Gewohnheit, dass die ersten Christen regelmäßig das Abendmahl feierten, diente dazu, dass sie die entscheidende Botschaft vom Kreuz – Jesu stellvertretender Tod für ihre Sünde und Schuld – nicht aus den Augen verloren. Unser Glaube wird an Dynamik verlieren, wenn es zu einer „Jesus und…Mentalität“ kommt oder wenn Traditionen und Formalien Gottes Wort und den gekreuzigten Jesus überschatten.
Die Gemeinschaft unter den Christen war auch gekennzeichnet durch ein gegenseitiges Geben und Nehmen: einen Austausch über die Erfahrungen des Lebens als Christ, von Ermutigungen und Ermahnungen, von Gottes Liebe in Wort und Tat. Gerade diese Fokussierung auf das Wesentliche im Leben hat Menschen immer wieder überzeugt, dass Jesus tatsächlich Gottes Sohn ist. Da wo mein Glaube stagniert, muss ich mich fragen: Lebe ich noch fokussiert?
Doris Schulte arbeitet als Referentin zu Lebens- und Glaubensfragen. Wilfried Schulte ist Direktor von Neues Leben und Herausgeber dieses Magazins.
Ausgabe: Frühling 2009


