Vergebung besiegt den Hass

Ruanda, April 1994: Der Präsident stirbt bei einem Attentat. Innerhalb von drei Monaten danach werden fast eine Million Menschen grausam ermordet. Das Massaker der Hutu an den Tutsi geht als der größte Völkermord seit dem Holocaust in die Geschichte ein.

König der Lüfte trotz Höhenangst

Er war der beste Adler im Team: Andreas „Swider“ Widhölzl. Mit 18 Weltcupsiegen gehört er zu den erfolgreichsten österreichischen Skispringern der Weltcup- Geschichte. Exakte Sprünge sind dem heute 33-Jährigen allerdings nicht nur von der Schanze wichtig.

Ich leide an Deutschland

September 1956: Texter, Grafiker, Bildredakteur – die erste Ausgabe des Magazins NEUES LEBEN erstellte Anton Schulte quasi im Alleingang. Mit der „christlichen Illustrierten“ verfolgte der Evangelist vor allem eins: der Botschaft von Jesus Christus eine zeitgemäße Verpackung geben.

Magazin :: Interview


(c) M. Hauschild

Das Glück zeigt sich in vielen kleinen Dingen

Dr. med. Eckart von Hirschhausen über die Kunst, einfach glücklich zu sein

 

Interview: Stefan Rüth


Kaum ein Arzt hat zur Zeit mehr Patienten als er: Eckart von Hirschhausen. Seine Sprechzimmer, die großen Bühnen Deutschlands, sind immer ausverkauft, wenn er Rezepte zum Glücklichwerden verschreibt. Mit nachhaltigen Botschaften und gesundem Lachen über Niveau therapiert der 41-jährige Mediziner und Kabarettist sein Publikum und schafft neben den „Haha“- und „Aha“- Momenten vor allem eins: zufriedener, glücklicher und einfacher auf das Leben zu schauen.

Neues Leben :: Dr. Hirschhausen, ist Ihnen heute bereits das Glück begegnet
?

Hirschhausen :: Ich war heute beim Zahnarzt und habe gedacht: Was für ein Glück, dass es Narkosemittel gibt.

Neues Leben :: Was verstehen Sie unter Glück?


Hirschhausen :: Glück ist das unglücklichste Wort der deutschen Sprache überhaupt, weil es viele verschiedene Gefühle sind, die sich dahinter verbergen. Im Englischen gibt es „luck“, „pleasure“ und „happiness“ – und bei uns nur dieses eine Wort. Dabei unterscheide ich auch im Deutschen unterschiedliche Arten des Glücks. Die frohe Botschaft insgesamt ist: Wer sagt „Ich hab gar kein Glück“, liegt immer falsch. Glück kann man in jede Richtung finden: nach innen und nach außen, nach oben und nach unten.

Neues Leben :: Können wir unser Glück also beeinflussen?

Hirschhausen :: Stellen Sie sich mal vor, Sie selber wären das Glück. Würden Sie dann gerne bei sich vorbeikommen? – Die Perspektive umzudrehen überrascht. Und automatisch fällt uns vieles ein, was wir tun können, um dem Glück eine Freude zu machen, damit es eher zu uns kommt. Und in welchen Ecken unseres Lebens wir besser noch aufräumen, für den Fall, dass das Glück bleiben will. Ich kann das Glück nicht zwingen, zu mir zu kommen – aber ich muss es ihm nicht unnötig schwer machen.

Neues Leben :: Ihr Programm, mit dem Sie auf Tournee sind, heißt „Glücksbringer“ – inwieweit meinen Sie sich selbst damit?


Hirschhausen :: Seit über zehn Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Glück und habe nun in meinem Buch „Glück kommt selten allein“ meine ganzen Recherchen, Erfahrungen, Irrungen und Wirrungen festgehalten. Es enthält meine Erfahrungen als Arzt im Bereich Neurologie und Psychiatrie, es ist die Quintessenz der Glücksforschung der letzten zehn Jahre und es enthält meine eigenen Versuche, glücklich zu werden und zu scheitern. Und viele meiner Lieblingswitze.

Neues Leben :: Wie kann man denn nun möglichst schnell glücklich werden?

Hirschhausen :: Der einzige Moment, in dem ich wissen kann, wie es mir geht und wie glücklich ich bin, ist jetzt. Und deshalb hier der erste Glückstipp: Leben Sie in der Gegenwart – es ist nicht immer toll, aber es gibt nichts Besseres!

Neues Leben :: Ein anderer Tipp von Ihnen lautet: Verschenken Sie Geld! Schafft das in Zeiten der Finanzkrise nicht noch mehr Frust?

Hirschhausen :: Gerade die Finanzkrise hat einen großen Wert: Sie erinnert uns daran, dass materialistische Befriedigung eine Illusion ist. Wir kaufen uns Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, was wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen. Wer aus diesem Spiel aussteigt, hat den ersten Schritt zum Glück getan.

Neues Leben :: Mit Ihren Auftritten unterstützen Sie die „Roten Nasen“, Clowns in Krankenhäusern. Wie ist es dazu gekommen?

Hirschhausen :: Patch Adams, der Vorreiter dieser Arbeit, sagte sehr treffend: Ein Krankenhaus ist kein besonders guter Ort für kranke Menschen. Und genau hier setzt die Arbeit der „Roten Nasen“ und meiner Stiftung „Humor hilft heilen“ an. Wir unterstützen den Einsatz von Clowns in Krankenhäusern – denn Lachen hilft gegen Schmerzen. Das kann jeder ausprobieren: Hauen Sie sich mit einem Hammer zweimal auf den eigenen Daumen, einmal alleine und dann noch einmal in Gesellschaft. Sie spüren den Unterschied. Wenn ich mit anderen lachen kann, lässt der Schmerz nach. Deshalb sollte im Krankenhaus niemand lange alleine sein und jeder etwas zu lachen bekommen. Es gibt viele regionale Vereine, die aber bislang bundesweit wenig in Erscheinung getreten sind. Ich arbeite mit dem Dachverband der Clowns in Krankenhäusern zusammen, die die Förderprojekte bewerten und durchführen. Meine 2008 gegründete Stiftung macht die Idee jetzt bundesweit noch bekannter, sammelt Geld und baut weitere Gruppen auf, organisiert Weiterbildung, Forschung und Seminare – denn es gibt noch viele Kliniken und Ambulanzen, die ein Lachen mehr gebrauchen können.

Neues Leben :: Man spürt Ihnen die große Leidenschaft, anderen Menschen zu helfen, ab. Ist die Bühne der Ort, wo Sie selbst erst richtig Arzt sein können?

Hirschhausen :: Im Klinikalltag habe ich zwar viele Späße mit meinen Patienten gemacht und bin bei Klinikfesten aufgetreten, wollte aber immer primär ein guter Arzt sein. Der Wandel kam, als ich als Zauberkünstler und nicht als Arzt in einer anderen Klinik auftrat. Dort litt ein Junge unter selektivem Mutismus, das heißt, er wollte einfach nicht mehr reden, über Wochen. Beim Mitzaubern „vergaß“ er ganz seine Störung und schrie aus vollem Hals mit allen anderen Kindern mit. Als mir das der Arzt später erzählte, ahnte ich zum ersten Mal, dass Humor auch helfen kann zu heilen. Außerdem erreiche ich durch meine Arbeit jetzt viel mehr Menschen. Das, was ich in so einem Abendprogramm erzähle, ist im Prinzip die Zusammenfassung von ganz vielen Tricks aus der kognitiven Verhaltenstherapie bei Depressionen. Wenn ich das jedem Besucher einzeln erzählen würde, bräuchte ich für so einen Abend mit 1.000 Leuten acht Jahre. So bin ich effektiv in der Prävention tätig.

Neues Leben :: Lebenshilfe dieser Art kennt man sonst eher von Therapeuten oder Seelsorgern. Sie stammen aus einer Pfarrersfamilie. Inwieweit hatte das auf Sie Einfluss?

Hirschhausen :: Es stimmt, ich stamme aus einer Familie, die sechs Generationen von Pfarrern hervorgebracht hat. Ich bin traditionell evangelisch aufgewachsen und habe das glücklicherweise auch nie als beengend empfunden. Vor allem durch meine Großeltern habe ich eine Grundvorstellung von Glaube und Theologie mitbekommen, die mich glücklicherweise auf das Leben vorbereitet hat. Beide haben mir ihren Glauben täglich ganz lebendig vorgelebt. Zu Weihnachten haben sie uns beispielsweise nie etwas geschenkt. Meine Großmutter hat uns Kinder früher einfach an einem normalen Tag mit einer Kleinigkeit überrascht und damit gezeigt, dass so eine Geste manchmal viel wichtiger sein kann als große Feiern. Ich sehe das als ein großes Privileg in meinem Leben an. – Ich habe sehr freie und glückliche Menschen kennengelernt, die auch innerhalb ihres Glaubens viel Spaß hatten – und das schon im Diesseits.

Neues Leben :: Was bedeutet Ihnen Kirche und inwieweit spielt für Sie persönlich der christliche Glaube bei der Suche nach dem Lebensglück eine Rolle?

Hirschhausen :: Ich bin davon überzeugt, dass Menschen zu ihrem Glück eine Lebensauffassung brauchen, die nicht materialistisch ist. Ich verstehe Leute aber auch sehr gut, die das in der Kirche heute nicht mehr finden. Ich bin evangelisch sozialisiert, war im Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht in der Paulus-Gemeinde in Berlin-Zehlendorf. Ich persönlich nehme einen übergeordneten Sinn wahr. Das kann eine große Erleichterung für unser Ego sein, wenn es etwas gibt, was noch größer ist. Aber mit Gott ist es wie mit Meditation, Liebe oder eben Glück. Das Reden darüber ersetzt keine eigene Erfahrung. Hier ist ein Schlüssel zum Glück, hier die Tür, bitte nach Ihnen …

Neues Leben :: Und warum sind Sie nicht selbst Pfarrer geworden?

Hirschhausen :: Ehrlich gesagt war mir die Medizin handfester. Theologie war nicht greifbar genug für mich, irgendwie zu abstrakt. Ich mag das medizinische Handwerkszeug sehr gerne und gab so schließlich dem Studium der Medizin Vorrang vor der Theologie.

Neues Leben :: Ihr neues Buch ist erschienen, Sie touren quer durch Deutschland, treten in Fernsehshows auf – können Sie noch selbst umsetzen, was Sie anderen empfehlen?

Hirschhausen :: Der Wegweiser muss den Weg ja nicht mitgehen. Aber das, was ich im Buch beschreibe, habe ich an mir selber getestet und erlebt. Ich kenne mein Element, umgebe mich mit Menschen, die mir guttun, und versuche mich auch für andere zu engagieren. Beim Thema „Genießen“ kann ich aber zum Beispiel noch üben. Da nehme ich mir noch nicht genug Zeit. Aber das kann ich ja noch lernen – zum Glück!


Ausgabe: Sommer 2009

Zur Person

MEDIZINER UND KABARETTIST

Dr. med. Eckart von Hirschhausen (Jahrgang 1967) studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus und arbeitete als Kinderneurologe. Schon während der Studienzeit stand er gelegentlich als Zauberkünstler und Kabarettist auf der Bühne. 1998 spezialisierte er sich auf das „medizinische Kabarett“, eine nachhaltige Mischung aus Comedy und Lebenstipps. Bekannt wurde Hirschhausen vor allem durch seinen Langenscheidt-Sprachführer „Arzt-Deutsch, Deutsch-Arzt“ sowie zahlreiche TV-Auftritte, unter anderem in der TV-Show „Schmidt & Pocher“.

 

GLÜCKSBOTE UND BESTSELLERAUTOR

Bis Anfang Juni 2009 ist Hirschhausen noch mit seinem Kabarett-Programm „Glücksbringer“ auf Deutschlandtour, ab Herbst dann mit seinem neuen Programm „Liebesbeweise“. Sein Buch „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ ist mit über 1,5 Millionen verkauften Exemplaren das erfolgreichste Sachbuch 2008. Im Frühjahr erschien sein zweites Buch „Glück kommt selten allein“ (Rowohlt), das seit Monaten die Spiegel-Bestsellerliste anführt.