Magazin :: Interview

Ich leide an Deutschland
Anton Schulte über die Entstehung des Magazins NEUES LEBEN und seine persönliche Bilanz aus fünf Jahrzehnten
Interview: Rainer Schacke
September 1956: Texter, Grafiker, Bildredakteur – die erste Ausgabe des Magazins NEUES LEBEN erstellte Anton Schulte quasi im Alleingang. Mit der „christlichen Illustrierten“ verfolgte der Evangelist vor allem eins: der Botschaft von Jesus Christus eine zeitgemäße Verpackung geben. Ein Ziel, das auch 50 Jahre später den Alltag der Redaktion maßgeblich prägt.
Neues Leben :: Vor fünfzig Jahren erschien die erste Ausgabe des Magazins NEUES LEBEN. Erinnerst du dich noch, wie es damals in Deutschland aussah?
Schulte :: Schwarz-weiß, zumindest in den Medien. Nur wenige Zeitschriften erschienen bereits mit bunten Seiten. Das Fernsehen kam gerade auf, natürlich auch noch nicht in Farbe. Und im christlichen Bereich gab es keine Zeitschrift, die in größerem Stil Bilder brachte. Also dachte ich: „Wir müssen eine christliche Illustrierte haben, wenn wir die Menschen in ihrer Erfahrungswelt mit Glaubensthemen ansprechen wollen.“
Neues Leben :: Beschreib doch diese Lebenswelt der Fünfziger einmal ein bisschen genauer!
Schulte :: Die vierziger Jahre waren stark geprägt von Not, Hunger und Mangel. Das ging noch bis zum Anfang der Fünfziger so. Dann begann die Wirtschaftswunderzeit mit Erhards Motto: „Wohlstand für alle.“ Adenauer schuf die Voraussetzungen dafür, dass Deutschland sich nach Westen orientierte. Amerikanisches Geld floss nach Deutschland, amerikanische Firmen schufen ihre Niederlassungen hier, setzen ihre Produkte ab – von Autos bis zu Kühlschränken. Es gab Vollbeschäftigung, die ersten Hilfsarbeiter aus dem Ausland kamen.
Neues Leben :: War es von Anfang an geplant, dass die Zeitschrift auch für nichtchristliche Leser da sein sollte?
Schulte :: Auf jeden Fall! Sogar nur für Nichtchristen! Das war jedenfalls zuerst meine Vorstellung. Leider ließ sich das nicht ganz so verwirklichen. Ich brauchte ja eine Kernleserschaft, die die Zeitschrift regelmäßig liest und abnimmt. Dabei hätte ich die Zeitschrift lieber – ganz losgelöst von frommen Ansprüchen – in den weltlichen Bereich hineingedacht, mit einer klaren Botschaft von Jesus Christus. Aber auch so hat sie ihr evangelistisches Profil gefunden.
Neues Leben :: Gab es in den fünfziger Jahren ein größeres Interesse an Glaubensfragen als heute?
Schulte :: Es gab ein traditionelles Interesse, nichts sonst. Aber an das traditionelle Wissen und volkskirchliche Gewohnheiten konnte man anknüpfen. Wenn ich damals auf einem Marktplatz predigte, kannten 80 Prozent der Leute die Zehn Gebote und das Vaterunser. Heute sind es keine 20 Prozent mehr. Man konnte sich in den Fünfzigern also über äußere Dinge der Religion unterhalten wie Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung. Nur wenn es darum ging, wie es dem eigenen Herzen geht, wenn es um die Kraftwirkungen des Heiligen Geistes ging, war man oft stumm. Überhaupt war man eher schweigend, wenn es wirklich persönlich wurde.
Neues Leben :: Was war der Grund dafür?
Schulte :: Ein Hauptgrund war sicherlich die unverarbeitete Nazizeit. Bei einer Konferenz habe ich etwas später einmal gesagt: „Deutschland hat über den Holocaust nie Buße getan.“ Damit hatte ich aber schon zu viel gesagt. Die Menschen blockierten die Vergangenheit. Keiner wollte erinnert werden. Neben denen, die bewusst und gewissenlos hinter Hitler gestanden hatten, gab es viele Mitläufer, die sich nach dem Krieg schämten. Das war ein Grund für das Schweigen vieler Deutscher, nicht nur vieler Christen, sondern auch der Politiker und des Rests der Gesellschaft. Dass sie die Nazis nicht rechtzeitig durchschaut hatten, mitgemacht hatten und dann in der Zwangsjacke der Diktatur steckten. Sie schämten sich dieser Zeit, waren aber in den Fünfzigern und Sechzigern wieder wer. Und da sollte es ja nicht gerade publik werden, in der neuen Straße, wo sie jetzt wohnten, dass sie auch Dreck am Stecken hatten. Deshalb fand keine offene ehrliche Kommunikation statt. Da hatte man liebersein Vorgärtchen mit Gartenzaun und briet sein eigenes Würstchen auf dem Hof. Menschen ohne Gewissen wurden mit der Nazizeit irgendwie fertig. Aber die anderen nicht. Auch in der Schule erklärte der Lehrer den Schülern nicht, wie es zum Zweiten Weltkrieg kommen konnte. Bis in die Siebziger hinein brachte diese Vergangenheit Deutschland in eine Schweigezeit. Unsicherheit und Ängstlichkeit würde ich als Schlagworte über diese Jahre schreiben.
Neues Leben :: Wie entwickelte sich die Gesellschaft weiter?
Schulte :: Es entstanden regelrechte Konsumwellen. In den Sechzigern begann die Reisewelle. Man kratzte alles zusammen, um mal diese zwei oder drei Wochen ins Ausland zu fahren. Dann kam die Möbelwelle der Sechziger und Siebziger, das alte Sofa musste raus, die neue Couchgarnitur rein. Darauf folgte die Häuserbauwelle. Die siebziger Jahre waren schon echte Wohlstandsjahre. Wir waren wieder jemand. Doch in den Achtzigern entdeckten die Leute dann mehr und mehr: Das geht so nicht weiter! Der Einzelne spürte, dass er mit allem, was er gekauft hatte, kein anderer Mensch geworden war. Die Gesellschaftskritik hatte schon intensiv in den Sechzigern begonnen. Manches davon war sicher berechtigt, aber das Kind wurde völlig mit dem Bade ausgeschüttet. Die Studenten waren in den sechziger und siebziger Jahren richtiggehend begeistert, Doktoren der Theologie zu hören, die nicht mehr glaubten, was da in der Bibel stand. Die Entwicklung der außerparlamentarischen Opposition und der Achtundsechziger wäre ja in diesen Auswüchsen gar nicht möglich gewesen ohne einen Niedergang des Christentums. Das ging Hand in Hand. Wenn die Leute vom Republikanischen Club und der APO mit mir diskutierten, ging es immer auch stark um die Demontage des Christentums.
Neues Leben :: Und wie reagierten die Christen?
Schulte :: In den Kirchen hielt man sich mehr und mehr zurück mit klaren Glaubensaussagen. Man war verunsichert. Und die Evangelikalen lebten in ihrer eigenen Welt. Ende der Sechziger predigte ich in Berlin. Ich sagte: „Leute wisst ihr eigentlich, dass draußen 20.000 Leute auf der Straße sind und protestieren? Gegen das so genannte Establishment in der Universität, Regierung und Kirche? Und wir sitzen hier und denken darüber nach, was der Apostel Paulus wohl gedacht hat, als er damals seine Briefe schrieb. Aber den Bezug zu den Menschen auf der Straße haben wir verloren. Wir müssen das doch umsetzen auf Berlin heute!“ Leider bin ich nicht verstanden worden. Die Christen wurden in den Sechzigern zu einer schweigenden Minderheit. Das änderte sich erst schlagartig Anfang der Siebziger.
Neues Leben :: Was passierte da?
Schulte :: Da wurde auch in deutschen Zeitungen ausführlich über die Jesus-People-Bewegung berichtet. Ich selbst bin zweimal in Amerika gewesen und habe diese Orte der geistlichen Aufbrüche besucht, habe in den Gottesdiensten gesessen, habe gesehen wie Menschen zum Glauben kamen und in den Sommermonaten Teenager in Scharen zur Bibelstunde am Strand gingen. Tausenden ging es unabhängig von kirchlicher Tradition einfach nur darum, Gott zu erfahren. In Deutschland verdächtigte man die ganze Sache in christlichen Kreisen erst einmal: „Das kann ja nicht echt sein.“ Und aus einigen frommen Kreisen heraus kam sogar das Urteil: „Das ist ja dämonisch.“ Ich habe damals ein Buch geschrieben: „Die Jesus-Bewegung in den USA“, das ich auch heute noch unterschreiben könnte. Es war ein einfacher Reisebericht, auch mit kritischen Anmerkungen und Vorbehalten, aber dennoch wollte ich das grundsätzlich Gute in dieser Bewegung wahrnehmen. Daraufhin wurde ich von einigen Scharfmachern einfach als „Pfingstler“ bezeichnet. Später sagte mir einer der führenden Leute der Pfingstgemeinden: „Wir hatten damals gehofft, Sie würden zu uns kommen.“ Aber ich erwiderte ihm: „Ich bin kein Konfessionalist.“ Ich bin katholisch geprägt, evangelisch errettet worden, von Herzen ein Mann der Gemeinde, aber Konfessionen sind für mich nicht entscheidend. Ich halte an diesen Benennungen nur ihre geschichtliche Entstehung und ihre geistliche Prägung für wertvoll, die ja oft aus Erweckungsbewegungen kamen.
Neues Leben :: Das Magazin NEUES LEBEN wollte zwar schon immer auch konstruktiv-kritisch sein, berichtet aber von Anfang an weniger über Trennendes unter den Christen, als über die gemeinsamen Grundlagen. Und vor allen Dingen sollten und sollen Suchende erfahren, was Jesus Christus ihnen anbietet.
Schulte :: Das stimmt. Leider war das letzte Jahrhundert ein sehr stark konfessionell bestimmtes Jahrhundert. Jeder kümmerte sich um seinen eigenen Kirchturm, man fand sehr schwer zusammen. Als dann irgendwann eine zum Glauben einladende Großveranstaltung wie „ProChrist“ möglich wurde, hat mich das ungemein gefreut. Das war einer der Lichtblicke, wo langsam absehbar wurde, dass Christen auch miteinander an einem Strang ziehen können, so wie wir es heute verstärkt spüren. Aber sonst hat man in den letzten fünfzig Jahren oft die Zeit mit Grabenkämpfen verplempert, statt sich um die Verkündigung des Evangeliums in Deutschland zu kümmern. Und damit meine ich auch die Frommen im Lande.
Neues Leben :: Also ein generelles Fazit all deiner Jahre als Christ?
Schulte :: Ja, auch wenn ich damit in keiner Weise schmälern will, was Gott alles geschenkt hat. Aber von den Jahren, die ich als Christ erlebt habe, also von den Fünfzigern bis heute, ist das mein klares Resümee. Das Festhalten an sekundären Formen und das Verlassen der eigentlichen christlichen Prinzipien ist der Hauptgrund für den Niedergang der christlichen Kirchen in Deutschland. Wenn das innere geistliche Leben einer Konfession zurückgeht, festigen sich die äußerlichen Formen – sie müssen dann den Halt und den Zusammenhalt geben. Man will dann auch nicht mehr viel verändern, weil das nur verunsichert. Aber wer nichts an den Formen verändern will, verliert den Inhalt.
Neues Leben :: Die Kraft des Evangeliums geht verloren?
Schulte :: Ja, das kann man auch kirchengeschichtlich eindeutig sehen. Und es ist heute das Gleiche, wenn einer sich per se gegen neue Formen von Gottesdiensten oder Gemeindeformen sperrt oder keine moderne Bibelübersetzung will. Natürlich sind auch moderne Gemeindeformen oder Bibelübersetzungen nicht alle gleich gut. Aber wer aus Prinzip keine moderne Übersetzung will, der müsste eigentlich heute noch nur den Urtext auf Hebräisch und Griechisch lesen.
Neues Leben :: Kein Konfessionalist zu sein, hieße umgekehrt, das Verbindende in Christus wichtiger zu nehmen als zweitrangige Fragen.
Schulte :: Ja. Ich habe mich immer stark gemacht für die Einheit in der Hauptsache und für die Freiheit in der Form. Der Inhalt des Evangeliums ist unantastbar, das sind ewige Prinzipien, wiesie in den wesentlichen Grundsätzen zum Beispielim Apostolischen Glaubensbekenntnis festgelegt sind. Das verbindet alle Christen. Ich muss nicht immer einer Meinung mit dir sein, aber du bist mein Bruder. Also lass uns gemeinsam einer verlorenen Gesellschaft die Botschaft der Versöhnung mit Gott bringen!
Neues Leben :: Wie schätzt du die geistliche Situation in diesem Land zurzeit ein?
Schulte :: Ich fange mit dem Positiven an. Und da gibt es wirklich viele erfreuliche Dinge, auch an den Universitäten. Ich sehe einige Professoren, die ich als evangelikal bezeichnen würde. Es gibt immer mehr Bischöfe, die ihren persönlichen Glauben offen bezeugen. Heute erleben wir in vielerlei Hinsicht einen Aufbruch, vor allem bei der Jugend. Junge Menschen, die an das Evangelium glauben, die es verkündigen, die keine falschen Hemmungen haben, die von der ganzen Angst ihrer Eltern keine Spur mehr besitzen. Die zu kreativen Aktionen greifen, neue Formen, neue Gemeinden unterschiedlichster Couleur entwickeln. So haben wir zum Beispiel am Theologischen Seminar von Neues Leben auch einige Leute aus den Kreisen der Jesus Freaks. Ich erlebe auch ein interessiertes Fragen nach Gott und danach, wie man gemeinsam etwas bewegen kann, bei vielen, die etwas zu sagen haben in der christlichen Welt. Es ist eine enorme Veränderung spürbar, was sich zum Beispiel in der Zusammenarbeit im Rahmen der „Lausanner Bewegung“ und der heutigen „Koalition für Evangelisation“ zeigt. Wie zielgerichtet heute die Gedanken im Blick auf Evangelisation sind, erfreut mich ungemein. Auch das erneute erstarkte Selbstbewusstsein der bekennenden Christen im Lande, der Freikirchen und der landeskirchlichen Gemeinschaften, ist bemerkenswert. Und sogar die großen Kirchen öffnen sich – teils aus pragmatischen Gründen, aber auch aus einer neuen Überzeugung heraus – verstärkt für die Mission. Gemeindeaufbau ist ein echtes Thema in Deutschland geworden. Und viele Grabenkämpfe von früher sind jetzt längst nicht mehr so deutlich spürbar oder gar überwunden.
Neues Leben :: Erleben wir also gerade so etwas wie den Beginn eines geistlichen Aufbruchs in Deutschland?
Schulte :: Ja. Ich sehe die Rinnsale, die zum Bach werden.
Neues Leben :: Zum Bach werden können oder tatsächlich werden?
Schulte :: Werden! An vielen Stellen kann man sehen: Es sind schon kleine Bäche in dieser gegenwärtigen Phase und sie werden einmünden in einen großen Strom. Ich habe immer geglaubt und glaube es auch heute noch, dass Deutschland eine Erweckung bekommt. Ich glaube, dass sich Gott eine solche Schlüsselstellung eines Landes im Zentrum Europas, gerade auch in der Auseinandersetzung mit dem Islam, nicht aus der Hand nehmen lässt. Und ich meine, die Gedanken Gottes, wie sie in der Bibel offenbart worden sind, soweit zu kennen, dass Gott seine Leute immer in die Zentren und damit an den Puls der jeweiligen Kultur schickte. Da ist das Christentum ja auch groß geworden.
Neues Leben :: Kannst du deine Anmerkung zum Islam näher erläutern?
Schulte :: Ich differenziere hier immer zwischen Person und Sache. So sehr ich jeden einzelnen Moslem liebe – ich empfinde den Islam als Bedrohung. Wenn das Evangelium Europa nicht erweckt, frisst uns der Islam. Das so genannte christliche Abendland ist längst in einer nachchristlichen Ära. Nicht überall in Europa in gleichem Ausmaß, aber ganz stark in Deutschland. Und der Islam findet hier einen Rechtsstaat vor, der ihm fast jede Möglichkeit gibt, sich zu entfalten. Eine stärker evangeliumsbezogene Grundströmung in der Bevölkerung ist die einzige Möglichkeit, dem Islam zu begegnen. Nur diese innere Kraft kann nachhaltig das Leben einzelner, aber auch eine Gesellschaft zum Guten verändern. Natürlich sollten wir den Muslimen nicht politisch die Freiheit des Rechtsstaates nehmen – schließlich schätzen wir diese Freiheit auch als Christen –, und wir sollten Angehörige anderer Religionen immer als Mitmenschen achten und respektieren. Man kann es auch positiv sehen: Der Islam ist der Schleifstein der Christen im Blick auf ein glaubwürdiges Leben in der Gesellschaft.
Neues Leben :: Du wirkst traurig, während du das sagst.
Schulte :: Was mich bewegt und wo ich wirklich wach liege in der Nacht, wenn ich daran denke, ist dieses Land. Ich leide an Deutschland. Ich leide an Deutschland, weil es so unwissend ist auf der einen Seite und so falsch informiert auf der anderen Seite, was das wirkliche Christentum, was das Evangelium betrifft. Und wie wenig geschieht, das zu verändern. Ich habe in den Bereichen, die mir von Gott eröffnet wurden, versucht etwas zu tun. Durch meine Evangelisationen, noch stärker durchs Radio, wo ich lange Zeit allein auf weiter Flur war, durch die Printmedien und auch durchs Fernsehen. Und ich suche auch noch als ein Mann, der gerade 81 Jahre geworden ist, nach Wegen, die Menschen zu erreichen. Wie kann man den Deutschen nur immer wieder sagen, wer Jesus ist, was er für sie getan hat und wie wertvoll seine Botschaft für ihr Leben ist?
Neues Leben :: Was empfindest du in der heutigen Zeit unter den Christen als problematisch?
Schulte :: Zum Beispiel das Schweigen zum Massenmord an ungeborenen Kindern. Die Gemeinde Jesu hat häufig nicht differenziert genug Stellung genommen zu Fragen der Sexualität, Partnerschaft, Familie. Die ethischen Fragen und Herausforderungen im alltäglichen Leben für den Einzelnen sind heute enorm – wo sind die konkreten Antworten und Anleitungen zum Leben von der Kanzel und in der Seelsorge? Wir müssen Stellung nehmen zu diesen Themen vom Evangelium her. Natürlich nicht mit einer neuen Gesetzlichkeit, nach dem Motto: Ein Christ trinkt kein Bier! – Nein, ein Christ besäuft sich nicht – das wäre die richtige Antwort! Und wenn er es getan hat, soll er Buße tun. Ganz konkrete Antworten in den Bereichen, wo wir ganz Mensch sind – in der Familie, am Arbeitsplatz, im Urlaub, beim Surfen im Internet, im Umgang mit Geld –, die kommen zu wenig in der christlichen Botschaft vor. Doch die Menschen brauchen Ratgeber-Predigten zu lebensnahen Themen, um in ihrem geistlichen Leben wachsen zu können.
Neues Leben :: Wie siehst du das Magazin NEUES LEBEN in diesem Zusammenhang heute?
Schulte :: Ich bin höchst erfreut darüber, wie nah an den Alltagsthemen der Menschen das Magazin NEUES LEBEN heute ist – entsprechend den Möglichkeiten eines so weit geschichteten Leserkreises. Die Themenwahl und die Ausführung finde ich sehr hilfreich und vom Evangelium her bestimmt. Dass ihr die Sprache der heutigen Zeit sprecht, dass ihr einen suchenden Menschen oder Nichtchristen nicht einfach einen Ungläubigen, sondern „Einsteiger“ nennt, dass ihr abwägt und doch auch die schwierigen Fragen der Bibel nicht ausklammert, das ist ganz im Sinne der ursprünglichen Zielsetzung der Zeitschrift. Und die relevanten Lebens- und Glaubensthemen sind auch für Suchende eine Brücke zu tieferen Auseinandersetzung mit Christus.
Neues Leben :: Was wünscht du dem Magazin für die Zukunft?
Schulte :: Weiter am Ball zu bleiben. Zu wissen, was die Menschen brauchen. Immer wieder den Mut, auch den Finger in die Wunde zu legen. Viel Kreativität beim Finden aktueller Beispiele, die die Verlorenheit des Menschen, aber auch die unendlich liebevolle Zuwendung Gottes in Jesus Christus deutlich machen.
Neues Leben :: Vielen Dank für das Gespräch.
Ausgabe: September 2006
Zur Person
DER GOTTESMANN
Während seiner Jahre als Kriegsgefangener fand der ehemalige Atheist Anton Schulte durch schottische Christen zum Glauben an Jesus Christus. Zurück in Deutschland absolvierte er eine theologische Ausbildung und begann in den frühen 1950ern, als Evangelist durch Deutschland zu reisen. Sein Ziel: Kirchenfernen Menschen von dem Gott erzählen, dessen Liebe er selbst erfahren hatte. In den kommenden Jahrzehnten machte ihn sein alltagsnahe Art des Predigens zu einem der bekanntesten Evangelisten im deutschsprachigen Raum. 1954 gründete er „Neues Leben“, das heute mit über 100 Mitarbeitern in den unterschiedlichsten Arbeitszweigen zu den größten überkonfessionellen Werken Deutschlands zählt. Wenn er nicht für Gottes Reich unterwegs ist, verbringen der 81-jährige Schulte und seine Frau Heidi heute den überwiegenden Teil des Jahres auf Lanzarote.
DER MEDIENMANN
„Evangelisation unter Verwendung aller technischen Möglichkeiten“ – das war Schultes Motto von Anfang an. 1953 war er der Erste, der über Radio Monte Carlo christliche Kurzansprachen über den Äther schickte, dazu kam eine ausgedehnte Schriftenmission mit diversen Traktaten und Büchern. 1956 erschien das Magazin NEUES LEBEN als erste christliche Illustrierte Deutschlands, 1987 fiel der Startschuss für die Fernseharbeit von Neues Leben. Darüber hinaus war Schulte Mitbegründer weiterer christlicher Medienwerke wie zum Beispiel der evangelischen Nachrichtenagentur idea.