König der Lüfte trotz Höhenangst

Er war der beste Adler im Team: Andreas „Swider“ Widhölzl. Mit 18 Weltcupsiegen gehört er zu den erfolgreichsten österreichischen Skispringern der Weltcup- Geschichte. Exakte Sprünge sind dem heute 33-Jährigen allerdings nicht nur von der Schanze wichtig.

Ich leide an Deutschland

September 1956: Texter, Grafiker, Bildredakteur – die erste Ausgabe des Magazins NEUES LEBEN erstellte Anton Schulte quasi im Alleingang. Mit der „christlichen Illustrierten“ verfolgte der Evangelist vor allem eins: der Botschaft von Jesus Christus eine zeitgemäße Verpackung geben.

Magazin :: Interview


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Mach einfach mal den Kopf auf und fühl dich

ZDF-Fernsehkoch Horst Lichter über seine Geheimrezepte fürs Leben


„Einfach lecker “, lautet das schlichte Rezept von TV-Koch Horst Lichter. Zwei Liter Sahne und reichlich Butter sind bei ihm keine Ausnahme. Seitdem die rheinische Frohnatur regelmäßig im Fernsehen „Kartöffelchen und Möhrchen“ zubereitet, zeigt die Karriere steil nach oben: Neben Auftritten bei „Kochen bei Kerner“ hat Horst Lichter mit „Lafer! Lichter! Lecker!“ eine eigene Kochshow im ZDF zur besten Sendezeit. Doch was viele Zuschauer nicht ahnen: Der Entertainer unter Deutschlands Spitzenköchen hat viele Krisen erlebt: zwei Hirnschläge, einen Herzinfarkt, den frühen Verlust eines Kindes. „Ich bin ein Weltmeister im Verdrängen“, sagt der 45-Jährige und erzählt, wie er mit den Krisenherden zurechtgekommen ist.


Neues Leben :: Vor kurzem wurde Ihre Biografie veröffentlicht. Sie zeigt eine andere, ganz bewegende Seite des lebenslustigen Fernsehkochs und trägt den Namen: „Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott.“ Inwiefern haben Sie ein Verhältnis zu Gott?

Lichter :: Gott war für mich immer ein Thema. Meine Eltern haben großen Wert darauf gelegt, dass man mich wirklich vernünftig erzieht, wie das damals im katholischen Sinne üblich war. Das hieß, Messe dienen mit allem drum und dran. Aber ich habe im Grunde ein Problem mit der Kirche. Denn irgendwann habe ich für mich persönlich einen Unterschied gemacht zwischen Menschen, die – Entschuldigung – in diesem „Verein“ arbeiten, nur um Karriere auf eine andere Art und Weise zu machen, und traumhaften Menschen, wo ich sage, die leben ihren Glauben und helfen anderen.

Neues Leben :: Wie kam das?


Lichter :: Nachdem mein Kind damals regungslos dalag und wegen Verdachts auf möglichen Kindstod vom Krankenwagen abgeholt wurde, habe ich meine Frau erst mal zu ihren Eltern gebracht. Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob unser Kind wirklich tot war. Auf meinem Rückweg kam ich an dem Haus unseres Pfarrers vorbei. Ich klopfte und sagte der Haushälterin, ich würde gerne mit dem Pastor beten. Sie antwortete, sie müsse ihn erst fragen. Als sie wiederkam, sagte sie mir, dass der Pastor jetzt keine Zeit hätte und er eine Kerze für mich aufstellen würde. In dem Moment war der „Verein“ für mich erst einmal gegessen. Das hat aber nichts mit dem Glauben an sich zu tun.

Neues Leben :: Also ist der Glaube an Gott in Ihrem Leben präsent?

Lichter :: Es gibt für mich ein Verhältnis zum Glauben und zu Gott – logisch! Jeder Mensch in jeder Situation seines Lebens glaubt einmal, auch wenn er sagt, er sei Atheist. In Situationen, wo große Not herrscht, sagt er: Bitte, bitte, lieber Gott – hilf mir! Und wenn es ihm sehr gut geht, sagt manch einer: Boah, dankeschön! Ich bin ganz, ganz sicher: Glaube versetzt tatsächlich Berge.

Neues Leben :: Wie leben Sie Ihren Glauben praktisch?


Lichter :: Also, ich gehe ganz, ganz selten in die Kirche, und wenn, dann sehr zwiegespalten. Ich liebe diese wunderschönen Kirchen, Häuser und Burgen. Davon bin ich unfassbar berührt. Aber, wenn ich da reingehe, habe ich immer das Gefühl, ich höre all die Menschen schreien und weinen, die dafür ausgenutzt wurden und darüber gestorben sind. Nur dafür, dass einige große Geister das da bauen mussten. Ich bin stolz darauf, dass Menschen so etwas Schönes bauen können, aber es tut mir auch weh, weil ich weiß, wie viele darunter wirklich bösartig gelitten haben. Persönlich bete ich für mich selber und sage oft danke oder denke mal darüber nach, wo man mir helfen könnte. Wichtiger aber für mich ist, dass man anderen Menschen helfen kann. Hier in Rommerskirchen, meiner Heimat, kann ich am allerbesten helfen, indem ich Menschen dazu bringe, das Leben ein bisschen glücklicher zu sehen und zu lachen.

Neues Leben :: Was steckt hinter Ihrem Antrieb, anderen helfen zu wollen?

Lichter :: Das ist ganz einfach: Ich liebe die Menschen! Zwar bin ich häufig auch enttäuscht worden, aber ich kann immer wieder verzeihen.

Neues Leben :: Sich selbst scheinen Sie auch viel zu verzeihen. Sie sagen von sich, dass Sie ein Weltmeister im Verdrängen sind ...


Lichter :: Ja, das ist richtig, das bin ich.

Neues Leben :: … andererseits bewahren Sie in Ihrer „Oldiethek“ Hunderte von Dingen auf, die Erinnerungen hegen. Wie passt das zusammen – zu verdrängen und sich zu erinnern?

Lichter :: Ich sammle Geschichten oder besser gesagt Geschichten von Menschen. Hinter jedem Detail in meiner Sammlung stecken Geschichten von Gästen. Denn als ich hier anfing, hatte ich keinen Pfennig Geld. Und so wurde ich von meinen ersten Gästen, die kamen, beschenkt mit Tischdecken, Geschirr, Gläsern, Porzellan. Alles Althergebrachte hat seine eigene Geschichte – deshalb liebe ich es auch so! Aber ich bin ein Weltmeister im Verdrängen von bösen Dingen. Ich habe mich immer direkt auf die gestürzt, die noch mehr Hilfe brauchten als ich. Als mein Kind gestorben ist, war ganz klar, ich komme besser damit klar als meine Frau und mein Umfeld. Also habe ich denen geholfen. So habe ich wiederum meine Sache verarbeitet. Auch als mein Vater damals gestorben ist, war das für mich grausam. Aber für meine Mutter und meinen Bruder war es noch viel schlimmer als für mich. Also habe ich denen geholfen. Das heißt, ich bin eigentlich immer derjenige, der anderen hilft. Und wenn es den nicht gibt, der den anderen hilft, dann sind viele Menschen allein gelassen und die ganze Geschichte geht in die Hose.

Neues Leben :: Auch Ihnen wurde zweimal ganz entscheidend geholfen, als Sie in jungen Jahren zwei Schlaganfälle und einen Herzinfarkt überlebt haben. Bei einem hatten Sie angeblich ein Nahtoderlebnis. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Lichter :: Zuerst ließen diese wahnsinnigen Kopfschmerzen nach und ein angenehmes Gefühl durchströmte meinen Körper. In diesem Stadium habe ich mich unglaublich gut gefühlt. Ich hatte keine Schmerzen mehr. Mir ging es einfach weltklasse! Und ich denke mal, wenn man das weiß und glaubt, ist das toll. Das Schlimmste am Tod ist aber das Sterben, das Loslassen. Es gehört zum Leben dazu und ist ganz normal. Und ich verstehe nicht, warum man das noch immer ganz extrem mit einem Tabu belegt. Es ist so offensichtlich: Jeder und jedes Teil auf dieser Erde kommt, wächst, lebt, stirbt – alles vergeht. Das ist nun mal so. Und wir Menschen möchten von diesem natürlichen Prozess nicht loslassen. Unser Leiden gehört einfach zum Leben und zum Verarbeiten dazu, damit man einen Neustart machen kann.

Neues Leben :: Heißt das, wir klammern Tod und Krisen zu sehr aus?

Lichter :: Ja, klar! Alle schreiben darüber, wie toll und schön was ist und konzentrieren sich auf die glücklichen Momente. Aber Tod und Krisen gehören ganz heftig zum Leben dazu.

Neues Leben :: Was bedeutet es Ihnen, das Leben in vollen Zügen zu genießen?

Lichter :: Einfach zu spüren, dass man da ist. Einfach mal etwas in der Hand zu halten und zu merken, das fühlt sich ja schön an. Viele Dinge verdrängen wir, weil wir sie tagtäglich tun. Man vermisst sie erst dann, wenn man sie nicht mehr hat. Fass ein Stück Porzellan an! Eigentlich müsste das Porzellan genauso warm sein wie die Zimmertemperatur, aber es ist kühl, schön. Oder geh mal raus vor die Tür, wenn es regnet und rieche den Rasen! Guck dir einfach mal Menschen an, wenn sie lachen – oder wenn sie weinen. Mach einfach mal deinen Kopf auf und fühl dich selbst! Dort, wo du gerade bist. Viele Menschen merken erst, dass sie einen kleinen Finger haben, wenn sie diesen abgeschnitten haben.

Neues Leben :: Steht Kochen und Essen dieser Lebensphilosophie sehr nahe?

Lichter :: Man darf bei mir das Kochen nicht zu hoch bewerten. Ich bin von Beruf Koch, ich koche viel im Fernsehen und in meinem Laden. Aber ich bin gar nicht so der unfassbar leidenschaftliche Koch, wie man vielfach annimmt. Für mich ist Kochen definitiv mein Musikinstrument. Ein Gitarrist mag seine Gitarre, aber er geht nicht mit ihr ins Bett. Er macht nur mit der Gitarre die Musik, die den Menschen gefällt. Und ich mache mit dem, was ich kann – und das ist ja gar nicht mal so unfassbar viel – einfach Menschen glücklich, indem sie sagen: Das ist lecker! Ich bin keiner, der mit seinem Kochbuch lesender Weise nachts schlafen geht und der dann morgens aufsteht und denkt, ich muss jetzt gucken, wie ich den Brokkoli so schön hinkriege, wie ich mir das vorgestellt habe. Nein – das sind die wirklichen, echten Spitzenköche. Ich bin einfach nur ein Koch.

Interview: Stefan Rüth


Ausgabe: Januar 2008

Zur Person

ENTSCHEIDENDE WENDE
Horst Lichter wurde am 15. Januar 1962 geboren. Er begann mit 14 Jahren eine Ausbildung zum Koch und arbeitete in verschiedenen Lokalen. Später ließ er sich aus finanziellen Gründen umschulen und „malochte“ in einer Fabrik der Rhein/Braunkohle. Mit 25 erlitt Lichter einen Hirnschlag, war halbseitig gelähmt und träumte zum ersten Mal von einem anderen Leben. Zwei Jahre später ereilte ihn der zweite Hirnschlag, zusammen mit einem Herzinfarkt. Danach drehte er sein Leben auf links und fing als Koch neu an. Seine bewegende Lebensgeschichte ist nun als Buch erschienen: „Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott“ (Gütersloher Verlagshaus).

LEIDENSCHAFT FÜR ALTES

Horst Lichter liebt Menschen und die Geschichten, die sie erzählen. Schöne nostalgische Geschichten von früher. Für ihn sind sie Erinnerungen genauso wie all die Gegenstände, die er seit 18 Jahren in seiner „Oldiethek“ in Rommerskirchen sammelt. Alte Autos, Motorräder, Kitsch, Antiquitäten, 1.600 Kaffeekannen – sein Laden ist eine riesige Sammlung und zugleich ein geselliges Restaurant. Dort kocht er nicht wie bei Kerner in einer Hightech- Küche, sondern ganz rustikal an einem alten flämischen Kohleofen. www.horst-lichter.de ZUR P