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(c) Stage
Rockende Nonnen
Whoopi Goldbergs Kinoerfolg „Sister Act“ kommt als Musical nach Hamburg
von Stefan Rüth
Erinnern Sie sich noch an die rockenden Nonnen aus dem Kinofilm „Sister Act“? Wie Whoopi Goldberg alias Schwester Mary Clarence das angestaubte Image eines Stadtklosters aufpolierte? Und wie die Nonnenschar am Ende selbstbewusst alte Kirchenlieder als Gospel- und Rock’n’Roll-Nummern schmetterte? – Der Film aus den 90ern ist nicht nur komisch und herzlich, sondern auch unvergessen eine der erfolgreichsten Komödien der Kinogeschichte. Weltweit spielte das Nonnen-Spektakel mehr als 230 Millionen US-Dollar ein und begeisterte alleine in Deutschland fünf Millionen Kinobesucher. Sowohl der Film als auch Hauptdarstellerin Whoopi Goldberg wurden 1993 für einen Golden Globe, der nach den Oscars größten amerikanischen Auszeichnung für Filme, nominiert. Nicht zu vergessen der Erfolg der mitreißenden Musik, von der das ein oder andere Stück, wie beispielsweise „I Will Follow Him“, Eingang in das musikalische Repertoire mancher Kirchengemeinde fand. Insgesamt war der Film ein solcher Überraschungserfolg, dass man nur ein Jahr später die Fortsetzung „Sister Act 2 – in göttlicher Mission“ – drehte, der allerdings, wie so oft bei Nachfolgern, für weniger Furore sorgte. Nun, fast zwei Jahrzehnte später, kehrt der Leinwanderfolg zurück als Bühnenfassung. Ab Herbst ist „Sister Act“ in Hamburg als opulentes und farbenfrohes Musical zu sehen.
Versteckt unter Nonnen
Die Story ähnelt der des Films: Sister Act erzählt die Geschichte der Disco-Diva Deloris van Cartier, die zufällig Zeugin eines Mordes wird. Die Polizei nimmt sie in Schutzhaft und bringt sie an den einzigen Ort, der ihr wirklich Sicherheit bieten soll: ein Kloster. Als lebenslustige Schwester Mary Clarence findet sie schnell Freundinnen unter den Schwestern. Es fällt der genusssüchtigen Diva aber schwer, sich an das strenge Askese-Leben zu gewöhnen. Sie ist keine, die einfach nur stillsitzen kann. Ihr Leben ist die Musik – und ohne die geht es nun mal nicht. Und als sie zum ersten Mal den verstimmten Chor des Klosters hört, steht ihre Mission fest: Den zurückhaltenden Nonnenstimmchen muss mehr Pep eingehaucht werden. Charmant hilft sie dem Chor auf die Notenschlüssel und ermutigt die Schwestern, ihr musikalisches Potenzial zu entfalten. Sie fügt Rhythmen und Gospelklänge hinzu und gibt so dem Nonnenchor ein zeitgemäßes Profil. Das spricht sich rum. Schon bald treibt Deloris Seite an Seite mit ihren Schwestern den Gospel in die Herzen des Publikums. Nicht nur das: Ganz nebenbei verhilft die neu motivierte Ordensschar dem heruntergekommenen Viertel zu neuem Lebensmut. Deloris riskiert dabei sogar ihre Undercover-Tarnung. Werden die Gangster sie nun kriegen? Oder hat die Bande die göttliche Kraft einer Schwesternschaft unterschätzt?
Familienfilm mit ermutigendem Charakter
Die unterhaltsame Komödie spielte sich als Familienfilm in die Herzen eines Millionenpublikums. Und das ohne Action und groß angelegte Spezialeffekte. Was „Sister Act“ auszeichnet, sind die Beziehungen, die die Menschen mit- und zueinander haben. So sagte Hauptdarstellerin Whoopi Goldberg einst über den Film: „Das Wichtigste für mich ist die Beziehung von Deloris und den Nonnen, denn die ist es, die den Film funktionieren lässt.“ – Und genau das spürt auch jeder Zuschauer. Der Leinwandspaß beinhaltet zahlreiche Szenen, in denen sich die Personen trotz ihrer charakterlichen Unterschiedlichkeit sehr wertschätzend begegnen, sich respektieren und ermutigen. Gemeinsam entdecken die Nonnen – angestachelt von Deloris –, wie glücklich es sie macht, das in ihnen schlummernde musikalische Potenzial zu entfalten. Und als sie erleben, wie viel Freude sie wiederum anderen damit schenken können, rollt eine Welle der Begeisterung durch die ganze Gemeinde. So hat der Film damals denn auch bei manch einem das bisherige Bild von Kirche beeinflusst: Kirche muss nicht langweilig sein, sondern macht Spaß, stiftet Gemeinschaft und transportiert – allein schon durch Musik – eine Botschaft. Und so kam es, dass der Erfolg der Sister Act-Filme Anfang der 90er-Jahre eine neue Popularität der Gospelmusik entfachte. Viele Menschen zog es auf einmal zu entsprechenden kirchlichen Angeboten.
Veränderte Fassung
Nun, achtzehn Jahre später, lädt „Sister Act“ mit Swing, Gospel und Rock’n’ Roll nicht in die Kirchen- oder Klostermauern ein, sondern in die Hallen des TUI-Operettenhauses Hamburg. Dort, mitten in der Musicalhauptstadt Deutschlands, wird ab Herbst 2010 die zweieinhalbstündige Bühnenfassung zu sehen sein. Allerdings leicht verändert. Denn auf die bekannten und doch auch sehr beliebten Songs des Films von 1992 wie „Hail Holy Queen“ oder „I Will Follow Him“ müssen Sister-Act-Fans leider verzichten. Die Ursache dafür liegt schlichtweg im Genre selbst. „Die Musik in Musicals muss vor allem einen großen Teil der Geschichte transportieren, Charaktere vorstellen und ist Teil der Erzählweise. Die Songs sind nicht nur einfach Hintergrundmusik wie häufig im Film“, erklärte eine Sprecherin des TUI-Operettenhauses. Und auch für die Produzentin, Whoopi Goldberg höchstpersönlich, stand trotz der Schönheit der von ihr damals selbst eingesungenen Songs fest: „Es musste etwas völlig anderes her als der Soundtrack, den man kannte, denn das hier ist nicht der Film.“ Für sie selbst liege der Film eine halbe Ewigkeit zurück. Da brauche man etwas wirklich Brandneues, Frisches und Aufregendes, so Goldberg. Die neue Musik lieferte der Komponist Alan Merken, der bereits für Disney- Filme wie „Die Schöne und das Biest“ oder „Arielle, die Meerjungfrau“ Lieder kreierte. Regie führt Carline Brouwer, die „Sister Act“ bereits in London auf die Bühne brachte, wo es seit Juni vielbeachtet in englischsprachiger Fassung aufgeführt wird. In Hamburg ist voraussichtlich am 2. Dezember Premiere.
Stefan Rüth ist Redakteur beim Magazin NEUES LEBEN.
Ausgabe: Sommer 2010













