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(c) iStock/kevinjeon
Wir Fußball- und Jesus-verrückten Brasilianer
Brasiliens Nationalspieler und Bayern-Profi Lucio über Fußball und Glauben auf dem Rasen
Brasilien steht für Fußball der Extraklasse. Die „Seleçao“ ist mit fünf Weltmeister-Titeln die erfolgreichste Nationalmannschaft. Sie hat bislang an jeder WM-Endrunde teilgenommen. Mit dem Sieg des Confed-Cups 2005 kürten sich die Brasilianer zum Favoriten für die WM 2006. Die Bilder gingen um die Welt: Nach ausgelassenen Tänzen beteten die Spieler im Kreis und zeigten T-Shirts mit der Aufschrift „Jesus liebt euch!“ Einer von ihnen: Lucio vom FC Bayern München. Gegenüber NEUES LEBEN verriet der Innenverteidiger, warum den Brasilianern der Glaube an Gott beim Fußball so wichtig ist.
Neues Leben :: Viele Fußballer aus der brasilianischen Elf teilen mit Ihnen den christlichen Glauben, der die Mannschaft scheinbar von Erfolg zu Erfolg trägt. Wie sind Sie persönlich zum Glauben an Gott gekommen?
Lucio :: Ich habe durch meine Mutter zum Glauben gefunden. Sie hat mir einfach davon erzählt und auch vorgelebt, wie sehr Gott die Menschen liebt. Später habe ich mich dann taufen lassen, um meinen Glauben öffentlich zu bezeugen. Außerdem hat meine Fußballkarriere mich geprägt. In Brasilien gibt es unglaublich viele Fußballtalente. Da muss schon etwas ganz Verrücktes passieren, damit man entdeckt wird oder überhaupt eine Chance bekommt, sich zu zeigen. Aber ich habe daran geglaubt und an diesem Ziel im Gebet festgehalten. Und tatsächlich: Gott hat es mir ermöglicht, dass ich eines Tages bei International Porto Alegre eine Chance bekam.
Neues Leben :: Sie sind ja in relativ kurzer Zeit sehr erfolgreich geworden. Sind Sie stolz darauf, heute beim FC Bayern München zu spielen?
Lucio :: Ich bin sehr glücklich, beim FC Bayern spielen zu dürfen, weil ich überzeugt bin, dass Gott das so vorgesehen hat. Wir beten immer vor den Spielen – auch in der Umkleidekabine. Für Schutz, und dass ich als Diener Gottes ein gutes Beispiel sein kann.
Neues Leben :: Und wenn es dann im Spiel gegen einen Glaubensbruder geht wie Cacau oder Marcelo Bordon?
Lucio :: Natürlich möchte ich mit dem FC Bayern so viele Titel wie möglich gewinnen. Das heißt, ich spiele gegen alle gleich, was wiederum bedeutet: So wie ich alle christlichen Fußballer liebe und respektiere, liebe und respektiere ich auch alle anderen Fußballer.
Neues Leben :: Gilt das auch dann, wenn es bei der WM gegen die eigenen Mannschaftskollegen geht? Haben Sie beispielsweise mit Olli Kahn schon mal über das WM-Finale von 2002 gesprochen?
Lucio :: Bei einer WM gegen einen Mitspieler zu gewinnen ist doch besonders schön, obwohl ich mit Olli bisher noch nicht über den damaligen WM-Triumph von Brasilien über Deutschland gesprochen habe.
Neues Leben :: Vielleicht spart er sich ja das Gespräch für die Revanche 2006 auf?
Lucio :: Schau’n mer mal!
Neues Leben :: Manche Reporter nennen Sie ja aufgrund Ihrer kompromisslosen Spielweise „das Tier“. Wie kommt es, dass Sie zwei so verschiedene Gesichter zeigen – auf dem Platz das „Tier“, privat aber so ruhig?
Lucio :: Wenn ich auf dem Platz stehe, kämpfe ich. Ich will gewinnen – das war schon als Kind so. Vielleicht hat es deswegen den Anschein, dass ich „tierisch“ hart bin – aber ich bleibe trotzdem immer fair.
Neues Leben :: Und wenn Sie doch verlieren – wie gehen Sie damit um?
Lucio :: Ich gehe dann zuerst zu Gott und bitte ihn, dass er mir Geduld schenkt und viel Glauben. So zum Beispiel 2002 als ich mir den Fuß gebrochen habe. Das war für mich eine sehr schwierige Zeit. Aber es ist auch hart, wenn man mit der Mannschaft nicht gewinnt. Heute reagiere ich in solchen Situationen weitaus ruhiger als früher. Gott hat mich da verändert, denn ohne ihn hätte ich wirklich keine Geduld.
Neues Leben :: Auch bei einer schweren Verletzung, die viel Zeit kostet, um wieder fit zu sein?
Lucio :: Ja – wenn mich beispielsweise ein Sportler um einen Rat bitten würde, wie er mit seiner Verletzung umzugehen habe, würde ich ihm raten, zuerst auf Gott zu vertrauen und zu ihm zu finden. Denn wenn man ihm vertraut, wird er es gut machen.
Neues Leben :: Wie kam es beim WM-Finale 2002 eigentlich zu dieser spektakulären Aktion mit den „Jesus loves you“-T-Shirts?
Lucio :: Schon während der Vorbereitung auf die WM haben wir in den Mannschafts-Bibelkreisen mit Kaka, Edmilson und anderen darüber gesprochen, dass wir etwas für Gott machen möchten. Außerdem beteten wir dafür, dass unser Team Gott lobt und preist, so wie es ihm gebührt. Uns war klar: Das Team, das Gott die meiste Ehre gibt, sollte auch die Weltmeisterschaft gewinnen. In der letzten Versammlung vor dem Endspiel hatte Pastor Anselmo, der unser Team seelsorgerlich begleitet, dann diese wunderbare Idee mit den Jesus-T-Shirts. Mit meinem T-Shirt wollte ich einfach vor der ganzen Welt bekennen, dass mein Dank an Gott alleine gerichtet war – aber ich wollte damit auch ausdrücken, dass andere Menschen dieselben wundervollen Erfahrungen machen können, wie ich sie mit Gott erlebe.
Neues Leben :: Beim Confed-Cup 2005 in Deutschland wiederholte sich das Bild. Hätten Sie die T-Shirts auch gezeigt, wenn sie gegen Argentinien verloren hätten?
Lucio :: Selbstverständlich hätten wir die T-Shirts auch dann angezogen. Das hatten wir damals vor dem Spiel so beschlossen. Denn Jesus sollte immer Ehre gegeben werden – in guten wie auch in schlechten Zeiten.
Neues Leben :: Klingt, als wäre die brasilianische Elf eine verschworene Gemeinschaft, fast schon eine kleine Gemeinde?
Lucio :: Das stimmt! In der Seleç o sind wir immerhin sieben Christen, die den Glauben praktizieren. Und auch jetzt bei der WM 2006 wird unser Team wieder von unserem „geistlichen Dreamteam“ betreut. Wir freuen uns alle schon sehr drauf!
Interview: David Kadel
Ausgabe: Juni 2006
Zur Person
LUCIO
Zweikampf- und kopfballstark – so präsentiert sich Lucio, der vollständig Lucimar da Silva Ferreira heißt, gerne. Er gilt als ungemein ehrgeiziger Spieler und will jedes Spiel gewinnen. Nicht nur bei seinem Verein, dem FC Bayern München, ist das so. Auch in der brasilianischen Nationalmannschaft besitzt er einen unnachahmlichen Drang zum Tor. Der 28-Jährige zählt heute zu den besten Verteidigern der Welt. Sein Motto: „Viel arbeiten und auf Gott vertrauen!“























