Magazin :: Meldung

(c) Sat 1/Boris Laewen
Vergiftete Nächstenliebe
TV-Retterinnen schaden mehr als sie helfen
Sie heißen Britt, Vera, oder Tine. Ihre Gesichter sind seit Jahren im Privatfernsehen bekannt. Sie helfen bei Streitigkeiten, Mietprellerei und Hausentrümpelungen. Die Kamera ist immer dabei. Und mit ihr auch der Zuschauer. Zuhause, gemütlich auf dem Sofa sitzend, zappt er sich voyeuristisch durch ihre Sozialdramen: wenn sich bei Britt Hagedorn betrogene Paare in die Haare kriegen, wenn es mit Tine Wittler in die „Gruselgruft der Messie-Mutter“ geht oder wenn Vera Int-Veen für die Muttis älterer Junggesellen die richtigen Schwiegertöchter sucht. Das Perfide daran: All das passiert unter dem Vorwand „Wir wollen doch nur helfen“. Tatsächlich geht es den engagierten Fernsehhelferinnen um bizarres Bildmaterial an dem sich der Zuschauer weiden darf und dass zuweilen mit unlauteren Methoden produziert wird, wie Kritiker anmerken.
„Mit dem neuen weiblichen Samaritertum eröffnen RTL, RTL II und Sat.1 ihrem Medium neue Dimensionen der Diffamierung und Demütigung“, wertet der Spiegel diese Art des sich immer mehr durchsetzenden Voyeurismus und nennt das Ganze „vergiftete Nächstenliebe“. Unser TV-Tipp daher: Aus Nächstenliebe besser wegzappen.
Ausgabe: Winter 2011






