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(c) iStock/SensorSpot
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Zwischen Diätkost und Gourmet-Gericht – Unser Liebesleben als Eltern kleiner Kinder
Von Saskia Barthelmeß
Schon den ganzen Tag hat sich diese Spannung zwischen uns aufgebaut. Hier ein längerer Blick, da eine zärtliche Berührung. Endlich sind die Kinder im Bett, und wir bewegen uns langsam Richtung Schlafzimmer. „Ich liebe dich“, hauche ich meinem Mann ins Ohr. Als wir aufs Bett fallen, schließe ich die Augen. Der Himmel hängt voller Geigen ... Doch was ist das? Aus dem Kinderzimmer ertönt das zornige Schreien unserer Tochter. „Mama, Mama“, ruft sie laut und unnachgiebig. Einen kurzen Augenblick lang hatte ich vergessen, dass ich Mutter bin. Ich war Ehefrau, Geliebte, Begehrte. Und jetzt das! Schnell zieht sich mein Mann etwas über und stolpert ins Kinderzimmer. „Unterbrechung Nummer eins“, denke ich frustriert. An diesem Abend ist es leider nicht bei dieser einen geblieben. Ich kam mir vor wie in einer Liebesschnulze, bei der alle paar Minuten der Film reißt. Gefühle wallen auf, Kleidungsstücke fallen. Schnitt.
Hin- und hergerissen
Zwischen romantischen Gefühlen für meinen Mann und fürsorglichen Gefühlen für meine Kinder hin und her zu schalten, gelingt mir immer noch nicht besonders gut. Auch wenn wir nun schon über fünf Jahre Eltern sind, habe ich mich nie wirklich daran gewöhnen können, dass aus einer Liebesnacht schnell ein Kindernotdienst werden kann. Meine Horrorvorstellung, dass irgendwann eines der Kinder neben unserem Bett steht, während wir im Liebestaumel schwelgen, hat sich zum Glück bisher nicht erfüllt. Doch so manche guten Vorsätze in Sachen ehelicher Intimität mussten wir schon über den Haufen werfen. Gründe dafür gibt es viele: kranke Kinder, dringende Anrufe, Müdigkeit nach einem anstrengenden Tag als Familie. Bevor wir Kinder hatten, konnte ich mir nicht im Entferntesten vorstellen, wie sehr unser Liebesleben unter unserem Elternsein leiden würde. Plötzlich gab es nicht nur mich und meinen Mann und die Erfüllung unserer Bedürfnisse (was ja auch schon kompliziert genug sein kann!). Jetzt waren da auf einmal vier Personen, und jeder wollte etwas anderes. Während ich mich nach einem Tag mit vielen „Mama“-Rufen und keiner ruhigen Minute für mich selbst nur noch nach einem Abend mit einem Buch auf dem Sofa sehne, hat sich mein Mann vielleicht die ganze Zeit schon auf ein nettes Stelldichein mit mir gefreut. Nicht zu vergessen: die Wünsche unserer Kids nach einer ausgedehnten Gute- Nacht-Geschichte und die Frage im Zwei- Minuten-Takt, sobald sie in den Betten liegen: „Mama und Papa, seid ihr noch da?“. Wie, bitte schön, lassen sich all diese Bedürfnisse unter einen Hut bringen? Ich muss zugeben, dass uns das mal besser, mal schlechter gelingt.
Bewusst Zeit nehmen
Eines immerhin schaffen wir ganz gut: Uns immer wieder bewusst Zeit für uns als Ehepaar zu nehmen. Alle paar Wochen leisten wir uns einen Babysitter und gehen aus. Wir haben es schon öfter ausprobiert, uns zu Hause einen gemütlichen Abend zu machen, doch meistens drängen sich dann die Wäsche, das Telefon oder der Computer zwischen uns. Sobald wir aber in einem Café oder Restaurant sitzen, können wir uns oft recht schnell wieder aufeinander ausrichten und Nähe zwischen uns schaffen. Zugegeben – das gelingt manchmal erst nach einem Streit, in dem wir alles klären, was sich in letzter Zeit so aufgestaut hat. Aber von solchen Abenden zehren wir und sollten sie uns noch viel öfter gönnen. Seit unsere Kinder etwas älter sind, haben wir auch angefangen, ein- bis zweimal im Jahr zu zweit wegzufahren. Wie sehr genieße ich es, morgens neben meinem Mann liegen zu bleiben, ohne gleich den Kindertrubel im Ohr zu haben. Wir unternehmen lange Spaziergänge oder lassen es uns im Schwimmbad gut gehen. Und wir merken, dass diese Auszeit vom Elternsein nicht nur uns beiden, sondern unserer ganzen Familie gut tut. Denn zwischendurch geht uns einfach die Puste aus und die Geduld lässt nach. Außerdem ist es für unsere Kleinen ein besonderes Highlight, wenn sie bei Oma und Opa sein dürfen und alle Vorzüge genießen, die das Enkelsein so mit sich bringt. Im September feiern wir nun unseren zehnten Hochzeitstag und gönnen uns eine Woche Ehe-Urlaub in Griechenland in einem „Zeit zu zweit“- Hotel. Kinderfreie Zone inklusive!
Nicht nur Mama und Papa sein
Solche besonderen Zeiten füllen unseren Liebestank auf und wir erinnern uns, dass wir nicht nur Mama und Papa sind, sondern Frau und Mann, die auch noch andere Rollen haben als Geschichtenvorleser, Führer im Zoo und Schiedsrichter beim Bobby Car-Rennen. Nämlich die des romanischen Paares, das gerne auch mal im Restaurant ein Essen einnimmt, ohne dass ein einziges Glas umkippt oder sämtliche Hunde unter den Tischen gestreichelt werden müssen. In unserem Ehe-Urlaub nehmen wir uns wieder als zwei verliebte Erwachsene wahr und spüren, wie gut uns die Nähe zueinander tut: geistig, emotional und körperlich. Doch natürlich reicht es nicht, sich nur zweimal im Jahr so nahe zu fühlen. So wenig, wie zwei Gourmet-Menüs im Jahr den täglichen Hunger stillen. Was unsere Intimität im Alltag angeht, so wechselt unser „Speiseplan“ zwischen Diätkost und Feinschmeckermahlen hin und her. Diätkost heißt, dass wir an manchen Tagen noch nicht einmal an den Abschiedskuss denken, bevor Heiko zu seinen Terminen aufbricht. Am Abend frage ich mich dann, ob wir uns heute überhaupt berührt haben. Doch, ja! Als wir die Einkäufe aus dem Auto ausgeladen haben, sind wir kurz aneinandergestoßen! Diätkost auch, weil unsere Gesprächsthemen nur noch von den Kindern oder dem Gemeindedienst handeln. Oder davon, wer was zu erledigen hat. Dann kann ich es mir nicht verkneifen zu jammern: „Sind wir eigentlich noch ein Paar oder eher eine WG?“
Sonntags-Gourmet
Manchmal allerdings kommt bei uns auch ein Gourmetmahl auf den Tisch. An vielen Sonntagabenden zum Beispiel. Denn da kuscheln wir uns zusammen aufs Sofa und schauen uns eine richtige Liebesschnulze an. Ob Rosamunde Pilcher oder „Im Tal der wilden Rosen“ – unsere romantischen Gefühle können dabei so richtig aufflammen. Als Heiko einem Freund gegenüber einmal zugab, dass er solche Filme mit mir anschaut, meinte der nur seufzend: „Du bist wirklich ein guter Ehemann!“ Manchen Leckerbissen teilen wir auch, wenn wir abends im Bett liegen. Da lassen wir noch einmal den Tag Revue passieren, geben einander Anteil an den Erlebnissen des Tages, reden über unsere Gefühle und Nöte. Und schon so manches Mal sind wir uns dabei nicht nur emotional nähergekommen ... Als Frau fällt es mir immer noch schwer, schnell vom Programm „Alltag“ auf das Programm „Liebesnacht“ umzuschalten. Dann kann es passieren, dass mein Mann mich mit heißen Küssen beschenkt, während ich im Kopf die Einkaufsliste für morgen durchgehe. Nach vielen Gesprächen mit Frauen und einigen Büchern zu diesem Thema weiß ich inzwischen, dass der Erfolg einer gelungenen Nacht sehr stark davon abhängt, ob ich mich im Kopf bewusst für die Intimität mit meinem Mann entscheiden kann oder nicht – manchmal auch gegen meine Gefühle. Als unsere Kids noch sehr klein waren, kam mir manchmal der Gedanke: „Den ganzen Tag wollen die Kinder etwas von mir. Und am Abend will dann mein Mann auch noch was. Die sollen mich doch alle in Ruhe lassen!“
Sex als Feind
Gerade nach der Geburt unserer Tochter kam mir Sex wie mein Feind vor. Mein Körper war ganz und gar aufs Muttersein ausgerichtet und ich konnte nicht verstehen, wie mein Mann mich als attraktive Frau sehen konnte. Diese Phase dauerte bei uns fast sechs Monate an und brachte unsere Ehe ganz schön ins Schleudern. So manches Mal saßen wir im Bett, jeder von uns am äußersten Ende seiner Bettseite und schwiegen uns an. Oder schrien uns an. Es fiel uns schwer, uns in der Mitte zu begegnen und die Empfindungen des anderen stehen zu lassen. Richtig gelöst hat sich dieses Dilemma eigentlich erst, nachdem ich abgestillt hatte und mir mein Körper nicht mehr wie eine „Milchbar“ vorkam. Seitdem räume ich der Sexualität einen anderen Stellenwert ein. Mir ist bewusst geworden, dass die Intimität in der Ehe nicht nur ein Sahnehäubchen ist, sondern eine wichtige Zutat im Ehe- Menü. Nicht umsonst hat Gott uns als Mann und Frau geschaffen und uns dieses Geschenk der Einheit gemacht. Und ich merke, dass uns das sexuelle Zusammensein sehr verbindet und wir anders in den nächsten Tag gehen, wenn wir uns am Abend auch körperlich nahe gekommen sind. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, zu merken, wie begehrt ich als Frau für meinen Mann bin. Da fällt es mir dann auch leichter, mich und meinen Körper anzunehmen. Denn eigentlich wünsche ich es mir ja zutiefst, dass mein Mann mich nicht nur als Mutter seiner Kinder und Alltagspartnerin sieht, sondern dass ich in seinen Augen die begehrenswerte Frau bin, in die er sich vor über zehn Jahren verliebt hat.
Termin: „Eheabend“
Es hat mich überrascht, dass diese Einheit, die wir gemeinsam erleben, auch nach außen hin sichtbar ist. Eine Freundin hat mir einmal erzählt, sie würde uns als ein harmonisches Paar wahrnehmen, das sich auf allen Ebenen versteht. Das heißt nicht, dass wir ständig aufeinander kleben und nicht die Finger voneinander lassen können. Aber wir überlassen einen Abend zu zweit auch nicht mehr dem Zufall. Notfalls schreiben wir uns „Eheabend“ in den Terminkalender. Damit ist es allerdings meistens noch nicht getan. Bei mir beginnt die Vorbereitung auf den Abend oft schon morgens am Kleiderschrank. Inzwischen weiß mein Mann, dass er meine Pläne an dem ablesen kann, was ich anhabe. Wohlgemerkt: Drunter anhabe. In einer Zeitschrift habe ich einmal gelesen, dass Sex am Spülbecken beginnt. Wie wahr! Wenn mir mein Mann hilft, den Tisch abzuräumen und die Kids ins Bett zu bringen, bin ich viel offener, den Rest des Abends nicht mit einem Buch, sondern mit meinem Liebsten zu verbringen. Auch wenn es einiges an Vorbereitung kostet und so manche Hürde auftaucht: Unsere Intimität auch als Eltern zu leben ist eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Es mag zwar so manche Unterbrechungen während einer Liebesnacht geben, aber letztendlich kommt irgendwann der Moment, in dem die Kinder schlafen und das Telefon schweigt. Dann gibt es nur noch eines: uns beide!
Saskia Barthelmeß ist verheiratet mit Heiko und Mutter von Noah (5) und Fiona Tabita (3). Sie lebt in Innsbruck und unterstützt ihren Mann bei seiner Arbeit in der „Kirche im Kino“.
Sonderausgabe Mai 2010





















