Magazin :: Sonderausgabe Partnerschaft

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Ehe tut gut - auch der Gesundheit
Studien belegen: Lang verheiratete Menschen sind die glücklichsten
Von Marcus Mockler
Sie wollen glücklich sein? Sie wollen lange gesund bleiben? Sie wünschen sich ein erfülltes Sexualleben? Dann folgen Sie modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen und heiraten Sie! Denn damit steigen Ihre Chancen rapide, dass Sie das Ersehnte finden. Das jedenfalls hat der Bonner Theologe Professor Thomas Schirrmacher herausgefunden.
Schirrmacher beschäftigt sich seit rund zwanzig Jahren mit ethischen Fragen. Dem evangelischen Theologen fiel auf, dass die Bibel den Schutz von Ehe und Familie nicht nur als Gebot Gottes darstellt, sondern beispielsweise im Buch der Sprüche darauf hinweist, dass Menschen unglücklich werden, wenn sie Erfüllung außerhalb der Ehe suchen. Die Neugierde des Wissenschaftlers war geweckt: Was sagen soziologische Untersuchungen über die Lebensqualität von Verheirateten und Unverheirateten? Ist der Segen der Ehe messbar? Schirrmacher hat Studien gelesen, Tabellen durchgeackert, Zahlen verglichen. Das meiste Material stammt aus den USA, wo die Wissenschaftler im Gegensatz zu Deutschland und der Schweiz ein größeres Augenmerk darauf haben, ob Paare mit oder ohne Trauschein zusammenleben. Die Ergebnisse sind eindeutig: Demnach sind lang verheiratete Eheleute statistisch betrachtet die glücklichsten, gesündesten, wohlhabendsten und sexuell zufriedensten Menschen.
Höhere Lebensqualität
Beide Geschlechter profitieren in jedem Fall vom Ja-Wort, ungleich mehr aber die Männer. Eine 1994 publizierte amerikanische Studie über das mittlere Todesalter ergibt folgende Werte: Verheiratete Männer in den USA werden durchschnittlich 75 Jahre alt, unverheiratete und geschiedene nur 57! Nun ist es kein Geheimnis, dass sich ein Mann meistens gesünder ernährt, wenn er mit einer Frau zusammenlebt. Außerdem wird in Ehen weniger geraucht und weniger Alkohol getrunken. Dazu kommt: Die Selbstmordrate unter Geschiedenen und Witwern ist dreimal so hoch wie unter Verheirateten. Die Soziologin Linda Waite (Chicago) hat aus Hunderten von Studien den Schluss gezogen, dass Verheiratete generell eine größere körperliche und seelische Gesundheit haben – im Gegensatz zu ohne Trauschein Zusammenlebenden, die sich gesundheitlich auf einem ähnlichen Niveau wie Singles befinden.
Höherer Wohlstand
In den USA besitzt ein Verheirateter beim Eintritt ins Rentenalter rund 235.000 Euro (Eheleute zusammen also 470. 000), ein Single rund 192.000 und Geschiedene und Verwitwete jeweils etwa 175.000. Dafür gibt es viele Gründe: Generell sind Verheiratete stärker an ihrer gemeinsamen Zukunft orientiert und bereit, dafür auch Geld auszugeben (beispielsweise ein Haus zu bauen), anstatt in die vom Partner getrennte eigene Kasse zu wirtschaften. Aber auch der Faktor Erbe spielt eine Rolle: Ein Ehepartner kann eher damit rechnen, bei Hinterlassenschaften aus der Schwiegerfamilie berücksichtigt zu werden, als ein unverheirateter Partner.
Weniger Gewalt und sexueller Missbrauch
Immer wieder ist zu hören, dass Familie ein Ort der Gewalt und des sexuellen Missbrauchs sein kann. Das stimmt – ist aber nicht sehr häufig der Fall. In einer Familie, in der Mann und Frau mit ihren leiblichen Kindern zusammenleben, kommt so etwas verhältnismäßig selten vor. Was in den meisten Veröffentlichungen zum Thema sexueller Missbrauch verschwiegen wird: Die Wahrscheinlichkeit sexueller Gewalt durch einen Stiefvater ist fünf- bis achtmal so hoch wie die durch den leiblichen Vater. Das bedeutet: Erst wenn die ursprüngliche Familie kaputt ist, wächst die Gefahr sprunghaft an.
Besseres Lebensgefühl
Die US-Regierung hat ihre Bürger befragt, wie glücklich sie sich fühlen. Als „sehr glücklich“ bezeichnen sich 40 Prozent der Verheirateten, 24 Prozent der Singles, 22 Prozent der Witwer, 18 Prozent der Geschiedenen und nur 15 Prozent der getrennt Lebenden. Auch hier nehmen also Ehepaare die Spitzenposition ein. Interessanterweise sagen laut einer Studie von 1998 sogar 81 Prozent der Amerikaner, die getrennt leben oder geschieden sind, dass eine Ehe fürs ganze Leben geschlossen werden sollte. Eine im November 2000 veröffentlichte Studie aus Großbritannien bestätigt, dass sich unverheiratete Eltern wesentlich häufiger trennen als verheiratete. 70 Prozent der in Ehe lebenden Eltern bleiben mindestens bis zum 16. Lebensjahr der Kinder zusammen. Bei Eltern ohne Trauschein haben nur 36 Prozent der Kinder diese Gewähr.
Bessere Sexualität
Einer Untersuchung der Universität Chicago zufolge haben Verheiratete häufiger Geschlechtsverkehr als Unverheiratete und finden zudem ihr Sexualleben beglückender. Dabei nannten 42 Prozent der Ehefrauen ihre Sexualität „emotional und physisch sehr befriedigend“ (nur 31 Prozent der unverheiratet Zusammenlebenden). Dieselbe Kategorie kreuzten bei den Männern 48 Prozent an, aber nur 37 Prozent der in Partnerschaft lebenden. Auffällig ist: Je länger die Ehe, desto höher die Rate derer, die sexuell zufrieden sind. Die Ergebnisse machen allerdings auch deutlich, dass es mindestens zehn Jahre Ehe braucht, um noch einmal einen deutlichen Qualitätssprung in der Beziehung zu erleben. Treue wird in Ehen offensichtlich größer geschrieben als in Partnerschaften ohne Trauschein. So gaben 1994 vier Prozent der Ehemänner und ein Prozent der Ehefrauen an, im zurückliegenden Jahr ihrem Partner untreu geworden zu sein. Bei den Unverheirateten waren es 16 Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen.
Erfolg nicht garantiert
Statistische Werte bedeuten für die einzelne Ehe keine Erfolgsgarantie, das weiß auch Thomas Schirrmacher. Und eine Bestätigung konnte Schirrmacher bisher nicht finden: dass die Ehen von Evangelikalen in den USA von erheblich besserer Qualität und weniger scheidungsanfällig seien als die der Durchschnittsbevölkerung. Er führt dieses Manko unter anderem auf die Schwäche der Gemeinden zurück, junge Mitglieder auf die Ehe vorzubereiten und ihnen neben der klaren biblischen Lehre praktische Lebenshilfe anzubieten. Dieses Problem sieht er auch in deutschen Kirchen. Damit einher gehe eine nachlassende Bereitschaft, in einer Krise an der Ehe festzuhalten. Scheidung hält Schirrmacher aus seelsorgerlichen Gründen zwar nicht in jedem Fall für verboten, er warnt allerdings vor allzu großen Hoffnungen auf eine neue Beziehung. „Die zweite Ehe hält im Durchschnitt nur ein Drittel so lange wie die erste“, liest er aus der Statistik. Generell stellt der Theologe jedenfalls fest, dass das von Hollywood verbreitete Bild unverbindlicher erotischer Beziehungen, in denen Menschen ihr Glück finden, an der Realität völlig vorbei geht. Alle Umfragen belegen: Mit einem entschiedenen Ja zur Ehe steigert ein Mensch in jedem Fall seine Chancen, Zufriedenheit und Erfüllung zu finden – ob er nun Christ ist oder nicht.
Marcus Mockler arbeitet als Journalist für die Evangelische Nachrichtenagentur idea sowie als Buchautor und Trainer im Kommunikationsbereich
Sonderausgabe Mai 2010